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Dieses Thema enthält 1 Antwort, hat 1 Stimme, und wurde zuletzt vor vor 11 Jahre, 1 Monat von  Chandika aktualisiert.

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  • #19875

    Chandika
    Mitglied

    Namaste, ihr lieben Bollywood-Fans! ;i

    Hier in diesem Thread möchte ich meine Geschichte „Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land“ veröffentlichen!

    Habe auch ein Thread angelegt, damit eure hoffentlich zahlreichen Meinungen zu meiner Story reinkommen! Es ist wesentlich leichter für Leser, den Text in diesem Thread in Einem durchlesen zu können, und nicht zwischendurch sich durch Meinungen zu kämpfen, bevor es mit der eigentlichen Geschichte weiter geht!
    Diese Lösung ist wesentlich übersichtlicher.

    So, genug Vorgeplänkel! Viel Spaß beim Lesen! Ab geht´s:

    Titel : „Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land“
    Autor: Chandika/Chandana
    Mitwirkende:
    Shah Rukh Khan – Arun Sharma
    Kajol Mukherjee-Devgan – Anjali Malhotra
    Amitabh Bachchan – Ishwar Malhotra, Anjalis Vater
    Chandika – Danja Wiese
    Markus Bergmann – Danja Wieses Freund

    Dies ist eine Geschichte über eine innige Freundschaft und sich fremd in einem Land zu fühlen.

    Dies ist aber auch eine Geschichte über Leid und Freude, die die Menschen untereinander sich gegenseitig bescheren.

    Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land

    Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land,
    Gib nicht auf, ich gebe dir meine Hand.

    Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land,
    Du kannst mir vertrauen, hast du das nicht erkannt?

    Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land,
    Uns verbindet mehr, wir sind seelenverwandt!

    Ja, Du bist eine Fremde in diesem Land,
    Freundschaft ist alles, ein vertrautes Band.

    Ja Du bist eine Fremde in diesem Land…
    Zusammen sind wir fremd in diesem Land…

    „Hey, halt mal an, wir fragen den Mann da drüben nach dem Weg!“ Sagte die 28 jährige Frau zu ihrem 30 jährigen Freund. Ihr PKW hielt am Straßenrand an. Die junge Frau kurbelte das Fenster des Wagens herunter. Sie sprach den Inder auf Englisch an:“ Entschuldigen Sie bitte, wir suchen das Dorf Tara. Können Sie uns da weiterhelfen?“ Der Befragte wandte sich ihr neugierig zu und sah ihr noch neugieriger in die Augen. Sehr lange musterte er sie. Wie eine kleine Ewigkeit kam es ihr vor. Dann antwortete er endlich:“ Ja, dort muss ich auch hin. Sie können mich ja mitnehmen, dann kann ich Ihnen direkt den Weg zeigen!“ Da erwachte die Deutsche aus ihrem Traum und drehte sich zu ihrem Freund. Der sagte nur kurz und knapp:“ Gut, steigen Sie ein.“ Der Inder nahm seinen kleinen, schwarzen Koffer und stieg hinten in das Auto.

    Nach einer Weile beugte sich der Kofferbesitzer nach vorn, sodass er sich zwischen den Beiden befand. Er beobachtete den Fahrer nur kurz. In dem Moment blickte die Blonde in den Innenspiegel, worauf der Inder auch hineinsah. Ein Wenig verlegen sah sie woanders hin. Seine Blicke waren ihr wohl sehr unangenehm. „Sie müssen noch ca. Fünf Kilometer diese Straße entlang.“ „Das kann man wohl kaum eine Straße nennen. Im Gegensatz zu Deutschland….“! Die Frau tippte ihrem Partner flink auf die Schulter. „Sei nicht so unfreundlich!“ Ermahnte Sie ihn. Sie drehte sich dem Rücksitzbesetzer zu und signalisierte ihm, dass der Kommentar ihres Freundes ihr peinlich war. Er aber schenkte ihr nur ein kleines, verschmitztes Lächeln. “ Was machen sie Beide denn in Indien, wenn ich fragen darf?“ “ Sie dürfen!“ Fing der andere Mann an zu reden.“ Tja, in Deutschland sieht es sehr schlecht mit Arbeit aus. Wir wollten schon sehr lange auswandern. Meine Freundin steht total auf diese Bollywood-Filme mit diesem Shah Rukh Kahn!“ Der Dunkelhaarige grinste die Blonde breit an, und wieder einmal sah sie schnell weg. Der Deutsche bekam davon nichts mit und redete einfach weiter:“ Ja, und dann haben wir einfach gedacht, arbeiten wir noch ein Jahr und sparen das Geld, um uns hier was aufzubauen. Es war damals eine fixe Idee, aber nun sind wir doch hier!“ “ Es ist schön, wenn sich Europäer für unser Land interessieren und hier leben wollen, doch stellen Sie sich das nicht so einfach vor!“ Unser Inder lehnte sich nachdenklich in den Rücksitz zurück, nach ein paar Sekunden schnellte er weiter nach vorn. “ Oh, ich glaube, ich habe mich Ihnen noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Arun Sharma.“ Er gab dem Deutschen die Hand. “ Oh ja, ich heiße Markus Bergmann und das ist meine Freundin Danja Wiese!“ Arun gab auch Danja die Hand. “ Nett Sie kennen zulernen. Er sah freundlich und zufrieden Danja an.

    #19880

    Chandika
    Mitglied

    „Oh, gleich kommt eine Kreuzung, da müssen wir rechts abbiegen!“ Erklärte Arun beiläufig. “ Und wie gefällt euch Indien bis jetzt?“ “ Oh ganz gut, wir sind erst seit gestern hier, deswegen sind wir bisher nur in Mumbay gewesen. Mumbay ist eine sehr interessante Stadt. Teilweise sehr traditionell aber auch recht modern. Sehr schön ist es da, finde ich! Und die Leute sind sehr freundlich zu uns!“ Antwortete Danja Aruns Frage. “ Und warum seid ihr nicht in Mubay geblieben?“ “ Das hatten wir ursprünglich vor, doch die Miete für eine kleine Wohnung ist uns auf Dauer viel zu teuer. Und in Tara lebt eine gute Freundin von Danja, und da können wir erstmal wohnen, bis wir eine Wohnung für uns gefunden haben.“ “ Ich habe mir gedacht, mir in Mumbay eine Arbeit zu suchen, muss da zwar viel fahren, aber es wird wohl nicht anders gehen!“ “ Und was macht ihre hübsche Freundin solange?“ „Passen Sie bloß auf, was Sie da sagen!“ Empörte sich Markus. Und Wieder tippte Danja Markus auf die Schulter. “ Ist schon gut, Markus, der Arun versucht nur freundlich zu sein.“ Versuchte Danja ihren Freund zu beruhigen. Markus sah Arun im Innerspiegel warnend an, dieser aber schien in keinster Weise beeindruckt zu sein, im Gegenteil: Er zeigte unschuldig seine weißen Zähne. 😀

    “ Meine Freundin wird zu Hause bleiben und ihrer Freundin beim Haushalt helfen!“ “ Das hätte ich nicht gedacht! Mann, ich habe immer gedacht, ihr Europäer steht total auf Gleichberechtigung!“ Markus verzog sein Gesicht, als wenn der Inder ihm von Hinten einen Schlag versetzt hätte. „Ehm, ja, stimmt schon, das Gleichberechtigung in Europa eine Rolle spielt. Nur Markus meint das nicht böse. Natürlich werde ich mir bald auch eine Arbeit suchen. Vielleicht gibt es im Dorf für mich Arbeit. Das wäre dann sehr schön.“

    Arun fragte Danja, was sie denn arbeiten könnte. „Na ja, ich könnte als Verkäuferin tätig sein. Eigentlich bin ich gelernte Arzthelferin. Es gibt doch sicherlich einen Arzt hier im Dorf.“ „Den gibt es wohl, doch kannst Du ausreichend Hindi sprechen?“ Nein, aber ich denke, dass ich eigentlich ganz gut mit meinem Englisch zu recht kommen werde, denke ich!“ Arun schürzte die Lippen und legte zwei seiner Finger auf diese, als wenn er an einer Zigarette ziehen würde. „Hmmmm, Ja aber weißt Du denn nicht, dass die wenigsten Leute im Dorf gut englisch sprechen können?“ “ Oh, ich dachte alle Inder können englisch verstehen und sprechen. Indien war doch mal britische Kolonie.“ „Großer Fehler, sag niemals einem Inder, dass Indien mal britische Kolonie war, vor allem nicht den Menschen, die eher ländlich wohnen. Das darfst Du niemals sagen, das ist mein Tipp, an dich, Liebe Danja“ Sie schaute ihn fragend an. “ Und nein, Du hast mich damit nicht beleidigt, ich nehme das recht locker, aber nicht alle sind so. Und auf das eigentliche Thema zurück zukommen: In den Großstädten können alle gutes Englisch, das stimmt, doch erwarte von den Leuten in ländlichen Gegenden nicht, dass sie englisch sprechen können. Mal hier und da ein kleines Wörtchen, oder ein kleinen Satz können sie verstehen und sprechen. Auf dem Dorf wird sich eigentlich nur Hindi gesprochen. Natürlich gibt es auch dort vereinzelte Leute, die englisch sprechen können, aber das sind halt nur ein paar.“

    Nachtrag von Chandika

    “ Ich hoffe, dass meine Freundin mir ein Bisschen Hindi beibringen kann. Ein Wort weiß ich schon: Namaste!“ „Das ist ja schon mal ein kleiner Anfang! So, wir müssen nur noch der Landstraße folgen, gleich sind wir schon da!“ Markus nickte nur kurz. Die Landstraße führte bergauf, hier und dort waren große Schlaglöcher im Asphalt. Links und Rechts der Straße waren unendliche und schöne Felder. Das Auto überholte Menschen, die zu Fuß oder mit Fahrrädern unterwegs waren. Hier und da waren Menschen auf den Feldern und arbeiteten hart in der sengenden Hitze. Danja beobachtete sehr interessiert ihre Umgebung. Arun schaute wohlwollend ihr beim Beobachten zu. “ Haben sie Beide was dagegen, wenn ich mir eine Zigarette anzünde?“ Markus meldete sich nach einer ganzen Weile zu Wort: “ Machen Sie ruhig. Wir sind auch Raucher!“ “ Was? Danja auch!“ Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung zwischen überrascht und entsetzt. „Ja, ich wollte mir das Rauchen immer abgewöhnen, doch habe es nie wirklich geschafft!“ “ Ich kann mir das ehrlich nicht vorstellen, dass Du auch rauchst. Bitte verzeihe mir! Das passt nicht zu Dir, finde ich!“ “ Habe ich Sie nun enttäuscht?“ “ Nein, keine Sorge, ich bin nur baff!“

    Arun nahm eine Schachtel Zigaretten aus seiner Jackentasche, nahm Eine aus der Schachtel und zündete sich lässig mit seinem silberglänzenden Zippo- Feuerzeug an. Danja fiel auf, dass er recht modern gekleidet war: Er trug eine hellblaue Jeans, ein beiges T-Shirt. Seine Jeansjacke lag neben ihn, denn es war viel zu warm, sie auch noch zu tragen. “ Sie tragen aber recht lässige Kleidung!“ Traute Danja sich zu sagen. Arun fing leise an zu lachen. “ Denkst Du, ich als Inder darf keine modernen Sachen tragen?!“ Sein Lachen wurde nun etwas lauter, er schien sich nicht mehr einzukriegen.

    “ Nicht alle von uns tragen immer unsere traditionelle Kleidung, nur zu bestimmten und feierlichen Anlässen. Wo lebst Du denn, hinterm Mond, meine Liebe?! Und in Mumbay tragen viele westliche Kleidung!“ “ Ach, also wohnen Sie in Mumbay?“ “ Ja, doch habe mir eine Woche Urlaub
    genommen, um meine Familie zu besuchen.“ Sie nickte ihm kurz zu. Er schien noch recht amüsiert zu sein, wegen vorhin mit den Anziehsachen, denn er grinste immer noch sehr verschmitzt.

    Vor den Dreien tat sich ein kleines, süßes Dorf auf, das auf einen kleinen Hügel lag. „So, da wären wir dann. Das ist Tara, das Dorf auf dem Hügel, wo man gut die Sterne sehen kann. (Tara – Stern) Erklärte Arun fast feierlich. „So, und nun möchte ich 58 Rupien haben, für meine Navigations-Dienste!“ Arun streckte seine rechte Hand den Deutschen entgegen. Das Paar drehte sich zu ihm um, sahen erst in seine Hand und danach verdutzt in sein Gesicht. „Hey, ist doch ok, der Preis! Ist umgerechnet etwa einen Euro. Das kann ich doch wohl verlangen!“ Da die Beiden immer noch sehr blöd dreinschauten, fing er lauthals an zu lachen. “ Ihr, ihr müsstet eure Gesichter mal im Spiegel sehen! Das war doch nicht ernst gemeint. Denkt ihr, ich würde euch armen Deutschen, die letzte Rupie nehmen wollen, hm!?“ Arun verabschiedete sich kurz bei den Beiden, nahm seine Jacke und seinen schwarzen Koffer und schlenderte lachend davon.

    Markus und Danja sahen sich an. “ Was war das denn für ein durchgeknallter Spinner!?“ Meinte Markus spöttisch. “ Hoffentlich sehen wir den nie wieder! Der hat ja voll genervt, der Irre!“ Sie nickte nur, doch insgeheim wünschte sie Arun doch irgendwann mal wieder zu sehen. Er war witzig, nicht so ein kleiner langweiliger Stinkstiefel, wie ihr Freund.

    Nachtrag von Chandika

    “ Und, wo wohnt nun deine Freundin Anjali?“ “ Anjali wohnt wohl etwas außerhalb des Dorfes. Sie hat mir den Weg recht gut beschrieben!“ “ Ja, dann raus mit der Sprache, wo müssen wir nun hin?“ Das war eine Charaktereigenschaft, die Danja überhaupt nicht an ihrem Freund mochte. Er war immer recht ungeduldig und er fühlte sich schnell von etwas angepisst. ( Entschuldigt diese Ausdrucksweise, aber anders kann ich es nicht schreiben! Sorry)“ Warte mal, ich hole den Zettel aus meiner Tasche. Da habe ich die genaue Wegbeschreibung drauf!“ Sie fing an in ihrer Tasche zu kramen. “ Mann, wo ist dieser blöde Zettel bloß hin!“ Markus verdrehte seine Augen und sah ihr genervt zu. “ Warum konntest Du nicht schon vorhin den Zettel suchen? Da hattest Du noch zeit genug.!“ “ Vorwürfe, Vorwürfe, immer nur Vorwürfe von Dir!“ Er hörte ihr nicht zu und redete einfach weiter:“ Aber Nein, Madam musst sich bei irgend so einem Inder einschleimen!“ „Hey, mach aber mal halblang, ich habe mich nicht eingeschleimt. Er war nett, und warum soll ich dann auch nicht nett zu ihm sein!?… Auch da haben wir den Zettel!“ Danja holte tief luft. Sie war sauer auf Markus. Aber was sollte das Ganze? Wegen Nichtigkeiten, wieder einen Streit anfangen, dazu hatte sie keine Lust.

    “ So, wir müssen am Dorfeingang rechts abbiegen.“ Sie sah sich um.“ Oh ja, Markus, da vorne geht ein kleiner Weg weiter!“ Markus hielt Ausschau nach dem Weg und entdeckte ihn. “ Können wir denn mit dem Auto diesen Weg da nehmen. Dieser Weg scheint mir recht schmal!“ “ Probieren wir es doch einfach mal aus, mein Schatz!“ Der Wagen setzte sich langsam in Bewegung. Der Weg führte einen kleinen Hang herunter. Rechts und Links des Weges spendeten große Büsche und Bäume Schatten. Danja staunt nicht schlecht, als sie einen schönen See entdeckte. Er war recht groß, überall Schilf und viele Trampelpfade führten zu ihm. Markus hielt den Wagen an.“ Wow, ist es hier nicht wunderschön?!“ „Ja, hier ist es ganz nett!“ Die Sonne glitzerte golden im See. Ein sehr schönes Fleckchen Erde. Danja erwachte aus ihrem Traum. “ So, gleich müssten wir an eine Weggabelung kommen. Wir müssen geradeaus weiter. Wenn wir den linken Weg benutzen, kommen wir wieder ins Dorf, und das wollen wir ja nicht!“ Sie fuhren weiter.

    „Ja, und laut der Beschreibung müssten gleich Häuser auftauchen. Und das Dritte Haus muss das Haus von Anjali und ihrer Familie sein.“ „Hmm!“ Brummte Markus in seine nicht vorhanden Bart. Diesmal staunten sie Beide nicht schlecht: Die Häuser, die sie erblickten, waren wirklich wunderschön! Das waren eher große, prächtige Villen, mit riesengroßen Gartenanlagen. Sie konnten die Gärten nur erahnen, denn um jedes Grundstück war eine hohe Steinmauer gezogen. “ Die Familie von Anjali scheint sehr wohlhabend zu sein!“ Bemerkte Markus.“ Ja, das kann man wirklich nicht anders sagen! Bin echt begeistert!“ “ Ja, die Häuser sind auf jeden Fall superschön!“ Das war wohl der positivste Satz, den Markus seit der Anreise bis dahin vom Stapel gelassen hatte, bemerkte Danja.

    Nachtrag von Chandika

    Danja zählte ab: „1…2…3! Da, das müsste das Haus sein! Park mal erstmal hier. Ich werde schellen gehen!“ Sie stieg aus dem Wagen und trippelte in Richtung Anjalis Haus. Auf dem riesigen schmiedeeisernen Tor stand: „Malhotra“. „Oh ja, hier bin ich richtig.“ Dachte sie bei sich. An der Seite befanden sich ein großer Klingelknopf und eine Sprechanlage. Andächtig starrte sie auf diesen Klingelknopf, denn er schien aus purem Gold zu sein. Vorsichtig bediente sie diesen Knopf, als wenn er bei der kleinsten Berührung auseinander fallen würde. Sie wartete ein paar Sekunden. Und dann wartete sie noch ein paar Sekunden. Sie erschrak ein Wenig, als aus der Sprechanlage eine tiefe Männerstimme zu hören war. Der Mann sprach natürlich Hindi. Sie verstand nur das Wort „Malhotra“. Sie versuchte sich auf Englisch verständlich zu machen. „Namaste, mein Name ist Danja Wiese. Wir werden erwartet. Könnten Sie Anjali holen?“ “ Einen Moment, bitte!“ Antwortete der Mann.

    Danja wartete nun etwas länger. Am anderen Ende der Leitung war nun etwas zu hören. Sie erkannte die Stimme: Es war Anjali! “ Oh mein Gott, oh mein Gott, Danja, ihr seid ja schon da! Ich habe euch frühestens heute Abend erwartet. Ihr seid da! Moment, ich werde unserem Angestellten sagen, dass er das Tor öffnen soll. Sag deinem Freund, er soll hereinfahren. Ich komme euch entgegen!“ Danja kam nicht zu Wort. Sie konnte nur noch ein „Ja, ist gut, bis gleich!“ Sagen. Sie hörte nur noch durch die Sprechanlage:“ Ich bin ja so aufgeregt, ich bin ja so aufgeregt!“ So war Anjali nun mal: Sie versprühte ihre Lebensfreude, wo sie nur konnte. Sie war halt sehr hibbelig und aufgedreht, und auf einer positiven Art sehr verrückt. Sie ließ fast niemanden aussprechen, aber sie meinte es nie böse. Man konnte ihr nie lange böse sein, und auch das wusste Anjali.

    Danja ging zu ihrem Markus zurück und stieg wieder in das kleine Auto. „Gleich müsste das Tor aufgehen!“ Informierte sie ihn. Und prompt ging auch langsam das riesige Tor des Grundstückes auf. Markus setzte den Wagen in Bewegung und fuhr durch das Tor. Der Weg zum Haus war aus weißem Kies. Der Vorgarten war wunderschön angelegt. Viele Blumenbeete gab es mit verschiedensten Blumensorten. Die Farbenvielfalt dieser Blumen war einfach überwältigend. Hier und da waren große Springbrunnen. Und auf der rechten Seite waren etliche Palmen. Still genoss Danja die Aussicht. „So muss der Garten Eden ausgesehen haben!“ Dachte sie.

    Vor der Villa sah Danja schon Anjali stehen. Sie winkte ihnen zu, dabei hüpfte sie auf und ab, wie ein kleiner quirliger Flummi. Die Deutschen stellten ihren Wagen auf den riesigen Parkplatz ab. Kaum war Danja aus dem Auto, sprang Anjali ihr um den Hals. „Danja, Danja, endlich ist meine Süße da. Wie geht es Dir? Seit ihr gut in Indien angekommen? Wie war die Fahrt hierhin. Wie gefällt euch Mumbay?“ „Erzähl ich Dir gleich im Haus alles, ok?!“ „Jajajahhhh!“ Sie hatte Markus wohl vergessen zu begrüßen. Der stand gelangweilt in der Gegend rum. „Oh, Entschuldig, Markus, jetzt bist Du dran!“ Sie ließ Danja los und umarmte Markus auch recht lange. “ Herzlich Willkommen bei der Familie Malhotra!“ Sagte sie. Als sie ihn wieder losließ, fragte Danja, wo ihre Familie sei. “ Ja die sind drin, sie erwarten euch schon. Sie haben mir nur den Vortritt gelassen…..und damit ihr in Ruhe das Haus betreten könnt und gesegnet werden könnt!“ „Was bitte?“ Fragte Markus. “ Na ja, bei uns ist es halt Sitte, das Gäste gesegnet werden, damit die bösen Geister, die die Gäste vielleicht mitbringen können, verscheucht werden und so!“ Da sie entdeckte, dass Markus ein eher angespanntes Gesicht machte, fügte sie noch schnell hin zu:“ Nein, es tut nicht weh. Dir passiert dabei nichts! Danja, meine Dany, erklär ihm mal, wie es ablaufen wird, während wir reingehen!“ Und das tat Danja auch. „Ach so, du wirst also nur mit Räucherstäbchenrauch vollgestunken und man bekommt einen roten Punkt zwischen die Augen, damit man genau weiß wo man einen Menschen tödlich treffen kann!“ „Markus!“ Empörte sich Danja, über seinen Kommentar. Sie war froh, dass er diese Worte auf Deutsch gesagt hatte, und nicht auf Englisch. “ Was ist denn!“ Fragte Anjali, die ihre Empörung mitbekam. “ Ach, nichts. Geh vor, Anjali!“ Und auf Deutsch sagte sie zu Markus:“ Wir sprechen uns noch deswegen!“ “ Das Du dich gleich so aufregst, Schatz! Das war nur ein Scherz. Und außerdem hat das doch keiner mitbekommen!“ Sie sah ihn böse an.

    Nachtrag von Chandika

    Vom 22.07.07

    Anjali öffnete die wundervoll gearbeitete Eingangstür, die aus robuster Eiche bestand. Und da standen sie alle: Die Familie Malhotra, bestehend aus:

    Mutter Devika Malhotra, Hausfrau und liebevolle Mutter, 53 Jahre alt
    Vater Ishwar Malhotra, eigenständiger Kaufmann und besitzt eine Firma, die Maschinen herstellt, 56 Jahre alt
    Charan Malhotra, kleiner Bruder von Anjali, 16 Jahre alt
    Bharani Malhotra, kleine Schwester von Anjali, 11 Jahre alt
    Oma Kalpana, Mutter von Devika, 81 Jahre alt

    Danja war sehr überrascht wie freundlich sie begrüßt wurden. Aber eigentlich sollte es sie nicht überraschen, denn in Indien war es üblich und selbstverständlich Gäste mit offenen Armen zu empfangen.

    Alle umarmten Danja und Markus. Dany war sehr irritiert. Sie hatte das nicht erwartet, so begrüßt zu werden.
    Als Oma Kalpana an der Reihe war, wollte sich Danja bücken, um ihre Füße zu berühren, doch das wollte die Oma nicht. Da Kalpana kaum Englisch sprach sagte sie nur zu Danja: „No, no, no!“ Und schüttelte mit einem Lächeln auf den Lippen ihren Kopf. Die ältere Dame nahm sie danach fest in ihre Arme. Dany war sehr gerührt. Eine ganze Weile umarmten sie sich, bis Kalpana sie losließ.

    Jetzt verschwand Devika kurz, um das Tablett zu holen, worauf die Räucherstäbchen und die anderen Utensilien sich darauf befanden. Feierlich schritt sie mit dem Tablett auf die Deutschen zu. Erst segnete sie Danja. Sie neigte ihr Haupt, um den roten Punkt auf der Stirn zu empfangen. Danach war Markus dran. Man merkte Markus schon an, dass das alles sehr fremd und neu für ihn war. Oma Kalpana kicherte leise vor sich hin, als sie Markus beobachtete. Sie schien eine gut gelaunte alte Dame zu sein. Auch Danja musste grinsen. Als die Zeremonie zu Ende war, bat der Herr des Hauses sie, ihm zu folgen.

    Schon alleine die Eingangshalle war beeindruckend genug. Sie war groß. Der Boden bestand aus hellem Marmor. In der Mitte lag ein wunderschöner, runder Teppich, mit orientalischem Muster. Die Möbel in diesem Raum bestanden aus dunkelbraunem Holz. Jedes Möbelstück war mit vielen aufwendigen Mustern verziert.

    Danja erschrak sich kurz, als ein Hund angestürmt kam und sie aufgeregt begrüßte. “ Das ist Charly!“ Erklärte Anjali ihrer Freundin. “ Der ist aber süß!“ Der Hund raste zu Markus, er wollte, dass er ihn streicheln sollte. Markus sagte zu Danja auf Deutsch:“ Halt mir das Vieh vom Leib, sieh zu! Du weißt ganz genau, dass ich Hund nicht leiden kann!“ Dany kam zu dem Hund und bückte sich. “ Charly, hast Du das gehört: Vieh hat er dich genannt, du armer, kleiner Hund!“ Sie streichelte ihn kurz und folgte den anderen in das Wohnzimmer.

    Auch im Wohnzimmer sah sie sich um, und staunte innerlich. Sie versuchte zu verbergen, wie beeindruckt sie war. „Ein absolut großartiges Wohnzimmer!“ Dachte sie. Der Boden bestand aus recht dunkelgehaltenem Parkett. Dafür waren die Möbel hier im Raum hell und freundlich. Viele Bilder hingen an den Wänden. Die Bilder zeigten Menschen, die sie nicht kannte. Wohlmöglich noch mehr Familienmitglieder. Hinter der riesigen beigen Sofagarnitur hing ein Wandteppich. So was hatte Dany nie in ihrem Leben bisher gesehen. So farbenfroh und freundlich war dieser Teppich. Sie kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Sie entdeckte eine Sheesha (orientalische Wasserpfeife) in der einen Ecke. Hauptsächlich bestand sie aus dunkelblauem Glas mit goldenen Verzierungen. In dem größten Schrank waren verschiedene Sachen ausgestellt, die Herr Malhotra wohl von irgendwelchen Geschäftsreisen mitgebracht hatte. Rundum: Danja fühlte sich äußerst wohl in diesem Raum. Alles lud zur Gemütlichkeit ein.

    Herr Malhotra setzte sich als erstes auf einen Sessel. Er signalisierte mit seiner rechten Hand, dass auch Danja und Markus sich setzen sollten.
    „So, erstmal willkommen in meinem bescheidenen Haus. Fühlen Sie sich wie zu Hause!“ Fing Herr Malhotra auf Englisch an mit Ihnen zu reden.
    „Vielen Dank!“ „Und, wie gefällt Ihnen mein Haus bisher?“ Wollte Ishwar Malhotra wissen. “ Sie haben ein wunderschönes Haus, und ihr Garten ist ein Traum!“ Entgegnete Danja. Er nickte ihr freundlich zu. “ Ja, wir haben ein paar Gärtner, die den Garten pflegen. Wissen Sie, dieses Jahr sind fast alle unserer Blumen kaputt gegangen. Der Monsun! Wir sind immer noch in der Monsunzeit. Doch Sie haben Glück! Schon seit ca. eine Woche haben wir gutes Wetter!“ „Ja, Ich habe gelesen, dass der Monsun dieses Jahr besonders schlimm war!“ “ Sie sind recht gut informiert, Herr Bergmann!“ „Danke!“

    Devika kam herein. Sie servierte Tee und ein paar Kekse. Ishwar sah zu ihr auf.“ Ach, Liebling, das ist sehr lieb von dir! Das hätten doch auch unsere Angestellten erledigen können!“ „Ja, ich wollte das selbst machen, um sicher zugehen, dass alles klappt!“ Sie ging wieder weg. Herr Malhotra rief ihr noch hinterher:“ Ich liebe dich!“ Sie drehte sich um und lächelte ihn an, bevor sie ganz verschwand. “ Bedienen Sie sich. Tee? Kekse?“ „Ja bitte, ich danke Ihnen, Herr Malhotra!“ Meinte Dany. Markus lehnte dankend ab. Dany wusste, dass er lieber Kaffee getrunken hätte.

    „Ach, ich habe das ganz vergessen! Ich habe Geschenke mitgebracht!“ Dany sah Markus an. Oh, Markus, sei bitte so nett und hol die Geschenke mal aus dem Auto!“ Markus stand auf und verließ das Wohnzimmer. “ Aber, Frau Wiese, das wäre doch nicht nötig gewesen!“ Bemerkte Herr Malhotra!“ „Doch, Sie nehmen uns freundlich in Ihr Haus auf. Da ist es doch das Mindeste, wenn wir uns wenigstens ein Bisschen erkenntlich zeigen!“
    „Hast du auch was für uns?“ Die Kinder meldeten sich aufgeregt. „Ja, natürlich ist auch was für euch dabei!“ „Juchuuu, Juchuuu!“ Vor allem die kleine Bharani freute sich sehr.

    „Ist auch was für mich dabei!“ Wollte Anjali wissen. Sie meinte das eher scherzhaft. “ Für meine kleine Anjali habe ich auch was Besonderes!“ Danja und Anjali lachten zusammen wie in alten Zeiten. Anjali war nicht mehr klein, sie war 26 Jahre alt, zwar jünger als Danja, aber umso frecher.

    Markus kam mit einem großen Rucksack herein. Er setzte sich wieder und packte die Tasche aus. Alle Geschenke waren feinsäuberlich verpackt und Danja hatte extra die Namen auf jedes einzelne Geschenk geschrieben, um die Pakete auseinander zu halten. Da erste Geschenk bekam Herr Malhotra. Es war eine deutsche Pfeife mit edlem Tabak. Er war begeistert. Die Geschwister von Anjali schwirrten um Danja aufgeregt herum. „Ja, jetzt seit ihr an der Reihe!“ Charan öffnete hastig sein Geschenk. Es war ein Buch. “ Anjali hat mir verraten, dass Du gerne ließt!“ Ja, vielen Dank!“
    Die kleine Bahrani hatte Schwierigkeiten, ihr Geschenk zu öffnen. Danja kam ihr zu Hilfe. In dem Geschenk befanden sich zwei T-Shirts. Das eine war rosa mit einem „Hello-Kitty“-Emblem, und das andere war hellblau. “ Und Anjali hat mir erzählt, dass Du schon eine junge, modebewusste, junge Dame geworden bist!“ “ Danke, Danke, Danke!“ Bahrani freute sich riesig.

    Danja erkannte auch, dass ihre Freundin langsam ungeduldig wurde. Anjali konnte so was nicht vor ihr verbergen. „Ja, Anjali!“ Sagte Dany nur kurz. Sofort sprang Anjali auf und stürzte zu ihr. Dany hielt ihr ein Geschenk hin. „ Für dich, meine Süße!“ „Vielen Dank!“
    Die 26 jährige Inderin setzte sich wieder auf ihren Platz. Oma Kalpana sah dem allgemeinen Geschehen aufmerksam zu. Ihr schien nichts zu entgehen. „Und hier habe ich noch ein Geschenk für die Dame des Hauses: Kalpana Malhotra!“ Als sie ihren Namen hörte, sah sie auf. Danja ging zu ihr hin und gab ihr das kleine Geschenk. „Dhanyabad!“ Sagte sie nur kurz.
    Dany verstand, dass sie „Danke“ gesagt hatte. Sie nickte der alten Dame zu und setzte sich wieder.
    Mittlerweile hatte Anjali ihr Geschenk ausgepackt: Es war ein guter Mp3-Player. Sie sah andächtig den Karton des Mp3-Players an. „Mach schon auf. Da geht nichts kaputt!“ Forderte Danja sie auf. Etwas ungläubig sah sie Danja an. „Was ist denn, Anjali? Hab ich dir was Falsches besorgt?“ „Nein, nein. Es ist genau dieser Player, den ich mir gewünscht habe!“ „Und, was ist dann das Problem?“ „Ich, ich bin überwältigt! Danke, danke!“ „Hey, ist schon gut!“ Sie lächelte aufmunternd Anjali an, denn sie bemerkte, wie ihr langsam die Tränen in die Augen stiegen. Langsam und andächtig öffnete sie den Karton und holte das kleine, schwarze Teil heraus.“ In dem Karton sind noch allerlei Zubehör und eine Gebrauchsanleitung auf Englisch. Man muss sich damit gut beschäftigen!“ Erklärte Markus.

    Nun sah Danja, dass Devika auch herein kam. Sie setzte sich zu ihnen. „Ach, ihr habt Geschenke bekommen, wie ich sehe!“ „Mama, Mama! Schau mal, was ich bekommen habe!“ Die kleine Bharani hielt ihrer Mutter die T-Shirts hin. „Die sind ja wirklich sehr schön!“
    „Und natürlich haben Wir ihnen auch was mitgebracht, Frau Malhotra!“ Markus überreichte ihr das Paket. „Für mich? Oh, vielen Dank!“

    Frau Malhotra bekam von Danja und Markus eine Halskette aus Silber, mit einem Berstein-
    anhänger und einen dazu passenden Ring. Oma Kalpana bekam ein schönes Parfum und ein Halstuch von den Beiden geschenkt. Danja erkannte, dass sie ihr damit eine große Freude gemacht hatte. Sie war sehr froh darüber, dass alle Malhotras mit ihren Geschenken zufrieden waren.

    Nachtrag von Chandika

    31.07.2007

    „Möchtest Du mal mein Zimmer sehen?“ Fragte Anjali Dany.“ Natürlich, gern!“ „Papa, dürfen wir?“ „Ja, macht ruhig!“ Die Beiden standen auf. Markus blieb sitzen, denn er unterhielt sich angeregt mit Herr Malhotra über Politik. Das war ein Thema, das Danja nicht ausstehen konnte und sie hätte sich sowieso nur dabei gelangweilt.

    Anjali ging voran und Danja folgte ihr. „Ihr habt wirklich ein super-tolles Haus!“ „Ja, ich find das Haus auch schön, doch bald soll ich das Haus verlassen. Ich werde bald verheiratet!“

    Danja blieb auf einer großen Wendeltreppe stehen. „Waaaaassss!?“ Anjali drehte sich zu ihr um. Sie sah ihr tief in die Augen. Dany erkannte tiefe Traurigkeit in ihren großen Augen. „Ja, ich bin doch schon 26. Und mein Vater meint halt, es würde langsam zeit für mich!“ „Ach, Süße! Aber vielleicht ist dein zukünftiger Ehemann ja ganz nett. Weißt Du schon wie er heißt?“ „Mein Vater möchte den Namen noch nicht verraten. Er wird ihn aber erst nennen, wenn er uns bald besuchen kommt!“ „Aber warum denn das?“ „Ehm…ich, ich hab da eine Vermutung! Kann sein, dass es Jemand aus dem Dorf ist und mein Dad möchte sich sicher sein, das alles in trockenen Tüchern ist, bevor er es offiziell bekannt gibt!“ „Das kann schon sein. Aber das ist halt nur eine Vermutung! Wie wissen nicht, ob es stimmt. Aber ich bin mir sicher, dein Vater wird Dir einen guten Ehemann aussuchen! Er liebt dich doch!“ „Ja, aber ich möchte mir selbst den Ehemann aussuchen, verdammt noch mal!“ „Ehm, ja, NEIN!“ Dany war verwirrt. „Schrei das doch nicht so durch das ganze Haus. Das muss jetzt unter uns bleiben!“ Flüsterte sie Anjali zu. „Ja, wir gehen erstmal in mein Zimmer, bevor wir weiter reden. Du hast recht!“

    Als sie endlich in das Zimmer von Anjali ankamen, schlossen sie sofort die Tür.
    „So, jetzt ganz langsam! Du möchtest nicht verheiratet werden, du möchtest dir selbst den Ehemann aussuchen?“ „Ja, ich dachte, du hättest da mehr Verständnis. Deswegen habe ich es noch Niemandem sonst gesagt.“ „Verstehen tu ich dich ja auch!“ Danja verstummte kurz, um nachzudenken. Sie setzte sich auf das Bett. „Und es ist gut, dass du es sonst noch keinem erzählt hast!“ Sie machte wieder eine Pause. „Mein Vater wird mich umbringen, wenn er das jemals erfahren sollte!“ Anjali verzweifelte. „Aber Anjali, sieh mal: Es gehört zu eurer Tradition. Es sind eure Sitten!“ „Ja, aber du kannst dir deinen Mann aussuchen!“ „Schon, doch ich bin Deutsche, bei uns gehört es nicht zu unseren Traditionen, verheiratet zu werden.
    Hör mir jetzt gut zu!“ Danja legte ihre Hand auf Anjalis Gesicht. „Es gibt Vor-und Nachteile dabei. Ich habe gelesen, dass viele Ehepaare, die verheiratet wurden, sich auch wirklich lieben gelernt haben. Und wie gesagt, dein Papa würde niemals dich mit irgend so einem Schnösel verheiraten. Ich hab ihn ja schon ein Wenig kennen gelernt, und er macht mir einen sehr netten Eindruck! Ich bin ja da, ich werde dir beistehen!“

    Anjali fing an zu weinen. „Danke, Danja!“ Die Freundinnen schlossen sich in die Arme.
    „Main hoon na!“ Sagte Dany zu ihrer Freundin. „Ich bin immer für dich da!“ Anjali ließ Dany wieder los. Sie lächelten sich an. Anjali verstand die Anspielung ihrer Freundin.

    „So, und nun, zeigst Du mir dein Zimmer, wie Du es mir versprochen hast!“ Danja sagte das in einem gestellten Befehlston. Anjali besaß ein sehr schönes Zimmer. Sehr groß und recht bunt. In einer Ecke war ihr Computer, ihr ein und alles. An den orangenen Wänden hingen ein paar Shah-Rukh-Kahn-Poster und ein eingerahmtes Orginalfoto mit Unterschrift von dem indischem Regisseur Karan Johar. Anjali war äußerst stolz auf dieses Foto.

    „Anjali, Danja!“ Vernahmen sie ihre Namen. Es war die Mutter, die durch den Flur rief. Sie hörten, wie die Mutter näher kam. Anjali sah schnell in ihren Spiegel und wischte sich die restlichen Tränen fort. Devika klopfte an die Tür von Anjalis Zimmer. „Ja!“ Sagte Anjali.
    „ Ich wollte dir, Danja, bescheid geben. Markus möchte die Koffer in euer Gästezimmer bringen. Ishwar möchte euch Beiden euer Zimmer zeigen!“ „Oh, ja, danke Frau Malhotra!“
    Danja stand auf und ließ Anjali alleine. „Wir sehen uns doch später wieder!“ Danja hatte nämlich den flüchtigen Blick ihrer Freundin bemerkt.

    Danja folgte Frau Malhotra aus dem Haus. Vor dem Auto standen auch schon Markus und Herr Malhotra und ein Bediensteter. Markus und der fremde junge Mann luden die Koffer aus. „Ach, Schatz, da bist du ja!“ Begrüßte Markus Danja.“Ich wollte von Dir wissen, was wir brauchen, und was wir solange im Auto lassen können?“ „Ehm, Den braunen Koffer brauchen wir, den Rucksack, und die Tüte ist wichtig.“ „Ok!“ In der Tüte befanden sich noch ein paar Mitbringsel für die Familie Malhotra, wie z.B.: Kaffee, Süßigkeiten für die Kinder, 3 Gläser Maika-Würstchen und noch allerlei anderen Kram.

    Ishwar Malhotra zeigte den beiden Deutschen das Gästezimmer. Danja war auch von diesem Raum keinesfalls enttäuscht. Der Raum war sehr geräumig. Das Bett war das Beeindruckenste in diesem Zimmer.Es war ein Himmelbett, übergroß, da hätten auch gut 4 Personen darin schlafen können. Es sah sehr bequem aus. Dany freute sich sehr auf die erste Nacht.
    Der ganze Raum war in verschiedenen Blautönen gehalten. Dany war schlichtweg entzückt, denn blau war ihre absolute Lieblingsfarbe. Nur die Wände waren in einem hellen ocker gestrichen und die Möbel waren auch aus hellem Holz. In einer Ecke stand eine dunkelblaue Vitrine, die von Innen beleuchtet wurde. In der Vitrine befanden sich teure Ausstellungsstücke, wie seltene Halbedelsteine und wunderschöne Glasfiguren. Am anderen Ende des Raumes war eine kleine süße Sitzecke mit Tisch.

    Herr Malhotra ging auf eine Tür zu und öffnete sie. „Das ist ihr eigenes Badezimmer!“ „Wir haben ein eigenes Badezimmer, wie traumhaft!“ Schwärmte die Deutsche. „Und hier geht es zum Balkon!“ Ishwar zog die langen, blau-violetten, leichten Vorhänge des großen Fensters beiseite. Er zog an der Tür und ging auf den Balkon. Markus und Danja folgten ihm. Der Balkon war zwar nicht sehr groß, doch dafür hatte man eine schöne Aussicht auf den Vorgarten und auf den Parkplatz. Zwei Stühle und ein kleiner Tisch standen auf den Balkon.
    „Die Aussicht ist sehr schön!“ Meinte Dany zu Ishwar. „Ja, da kann man am aller besten beobachten, wer kommt und wer geht!“ Er lächelte Danja an. „Schon sehr oft habe ich mich hier versteckt und habe meine Leute heimlich beobachtet, wie sie sich verhalten, wenn sie sich unbeobachtet fühlen!“ Er grinste wie ein kleiner Junge und machte kurz ein Auge zu, um zu signalisieren, dass das besser unter den Dreien bleiben sollte. Das hätte Dany nie von ihm erwartet. Ishwar Malhotra machte auf sie eher einen vernünftigen und seriösen Eindruck. Wie manche Eindrücke täuschen können!

    „Wir möchten uns noch mal für ihre Gastfreundschaft bedanken.“ Sagte Markus. „Ist doch schon gut, mein Junge! Für uns ist das doch selbstverständlich…..So, ich lasse sie Beide erstmal alleine, damit Sie in Ruhe ihre Sachen auspacken können, und sich frisch machen können. Meine Frau wird Sie in ca. einer Stunde zum Essen rufen….Ach, Danja, ich soll ihnen von Anjali noch sagen, dass es zum Abendessen Tandoori-Hähnchen gibt! Sie würden verstehen, warum Anjali sich dieses Essen für heute gewünscht hat! Na, dann, bis gleich!“
    Er schloss die Tür hinter sich zu.

    Aber natürlich wusste, Danja, warum ihre Freundin ausgerechtet Tandoori-Hänhnchen sich gewünscht hatte. Erstens, weil ihr beider Idol Shah Rukh Kahn das Gericht als seine Lieblingsspeise bezeichnete. Und zweitens, war es die erste Speise, die die beiden Freundinnen damals gemeinsam zu sich nahmen, als sie sich kennen lernten. Anjali und Danja lernten sich 1998 in London kennen. Anjali ging auf eine britische Schule, um ihr Abitur zu machen, und Danja war ein Jahr als Au-Pere-Mädchen in London tätig. Danja konnte sich ganz genau noch an die erste Begegnung erinnern. Beide junge Frauen saßen alleine in dem gemütlichen, indischen Restaurante. Dany saß in der einen Ecke, Anjali in der Anderen. Beide bestellten Tandoori-Chicken. Sie Beide sahen sich an, lächelten sich zu, und so begann die wundervolle Freundschaft zwischen den Beiden.

    Markus und Danja öffneten den Koffer, und fingen an ihn auszuräumen. Ein paar Anziehsachen verstauten sie in den großen geräumigen Schrank.
    „Du, ich geh erstmal duschen. Meine Kleidung klebt schon an meinem Körper!“ Informierte Danja ihren Freund. „Alleine?“ Ihr Freund grinste sie an. „Ja, alleine! Ich habe jetzt den Nerv nicht, irgendwas in der Art zu machen!“ Markus schien enttäuscht über ihre Aussage. „Ich beeile mich auch. Möchtest du auch gleich duschen?“ „Nee, alleine habe ich keine Lust!“ Sie verdrehte die Augen. Dieses kindische Trotzverhalten von ihm fand sie einfach nervtötend.
    „Na dann halt nicht!“ Mit diesen Worten schnappte sie sich ihre frischen Anziehsachen und ihre Badeutensilien.

    Als sie ins Bad stolzierte, sah sie sich erstmal um. „Ein schönes ordentliches Badzimmer, recht groß, Platz genug und moderne Badmöbel!“ Sagte sie leise zu sich selbst. Die Badewanne war eine große weiße Eckbadewanne. In ihr konnten gut zwei Leute platz nehmen. Kurz um beschloss Danja, sich ein Bad einlaufen zu lassen. Für eine halbe Stunde wollte sie einfach mal Ruhe haben. Ein Bisschen zeit nur mit sich alleine verbringen. Entspannen, relaxen, die Seele baumeln lassen. RUHE! Ach, das wäre so toll. Sie zog sich aus. Noch war das Badewasser nicht soweit, also überlegte sie, sich noch einmal ein Badetuch um ihren Körper zu wickeln, um noch einmal nach Markus zu gehen.

    Das war ein großer Fehler, wie sie nun verstellen musste. „Markus beäugte sie von allen Seiten. „Na, meine kleine nackte Maus!“ „Hör auf! Ich wollte mir nur eine Rauchen, bevor ich in die Wanne steige!“ „Oh, jetzt doch ein Bad!“ „Ja, ich will gleich meine Ruhe haben, wenn ich in der Wanne liege, verstanden!“ Streng und bestimmt sah sie ihm in die Augen, um ihm zu zeigen, dass sie es völlig ernst meinte. Er verstand. Das war auch besser für ihn.

    Sie setzte sich auf die Eckbank, öffnete das Fenster und nahm den Aschenbecher zu sich, der auf dem Tisch stand. Als sie den ersten Zug der Zigarette nahm, lehnte sie sich zurück. Plötzlich bemerkte sie einen starken Schmerz. Er kam aus ihrer Nackengegend. Sie massierte ihren Nacken sanft. Kann ja sein, das Danjas Nackenschmerzen gleich weg gehen würden, wenn sie in der Wanne lag. Im Bad würden ihre Muskeln entspannen. Sie hoffte es inständig.

    Markus saß auf dem Bett und sah Fern. Er zappte und fluchte leise vor sich hin, dass es nur Indische und Britische Fernsehkanäle geben würde.

    Danja rauchte ihre Zigarette auf und stieg endlich in ihr heißersehntes Bad. Sie genoss. Und auch nach einer zeit gingen die Nackenschmerzen fort. Sie war heilfroh. Und Gott-sei-Dank kam Markus nicht herein und störte sie. Alles lief wunderbar.

    Nachdem sie sich ihre langen dunkelblonden Haare gewaschen hatte, stieg sie aus dem Badewasser. Sie ließ das Wasser ab, und rubbelte sich gründlich ab. Sie ließ sich recht viel zeit, um sich fertig zu machen. Zum Abschluss schminkte sie sich noch sehr dezent.

    Sie kam aus dem Badezimmer und entdeckte Markus, wie er auf dem Bett lag und schlief, die Fernbedienung noch in seiner Hand. Sie grinste. Natürlich hatte sie Verständnis dafür, dass ihr Partner fix und fertig war. Er war derjenige, der sie hier hin gefahren hatte. Sie ließ ihn noch ein Wenig weiterschlafen. Sie ging auf den Balkon und sah herunter. Dort entdeckte sie nichts Aufregendes. Die Sonne wollte bald untergehen. Ihr rot-goldenes Licht schien auf Danja herab. In diesem Augenblick verspürte sie ein überwältigendes Glücksgefühl. Erst jetzt begriff sie: Sie war endlich in Indien, in ihrem Traumland. Was würde sie denn alles hier erleben? Was kam noch auf sie zu?

    Es klopfte an der Tür. Prompt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. „Danja, Markus!“ Hörte sie Anjali rufen. „Komm rein! Die Tür ist doch offen!“ Markus erwachte und gab einen gequälten Ton von sich. Etwas irritiert stand Anjali im Zimmer. „Habe ich euch gestört!“ „Nein, Süße! Ich wollte Markus jetzt sowieso wecken!“ Markus setzte sich langwierig hin. Er sah noch sehr schlaftrunken aus. „Was ist denn los?“ Wollte er wissen. „Es gibt jetzt schön Happa-Happa!“ Er hasste es, wenn sie Baby-Sprache anwendete. Das wusste Danja. Aber warum denn ihn nicht ein Wenig ärgern?

    Erst jetzt bemerkte Danja, das Anjali sich umgezogen hatte. „Oh, Anjali, du siehst einfach superhübsch in deinem Saree aus!“ „Vielen Dank!“ Anjali trug einen hellblauen Saree, mit goldenen Palietten und Verzierungen. „Wir müssen dir am Montag direkt auch ein paar Sarees zu legen. Wie wäre das, wenn wir in die Stadt fahren und zusammen einen Stadtbummel machen?“ „Oh, ja, ich bin dabei!“ „Wie müssen dich ja noch einkleiden, bevor unser Fest hier im Dorf stattfindet!“ „Welches Fest denn?“ Wollte Dany aufgeregt wissen.

    „Ja, weißt Du denn nicht: Am 15 August, also nächste Woche ist unser nöchster Nationalfeiertag. Jedes Jahr wird unsere Unabhängigkeit von Großbritannien groß gefeiert!“
    „Oh ja, das weiß ich doch! Das ist schon nächste Woche?“ „Ja, genau, unser Swatantrata Divas ist schon bald!“ (Swatantrata Divas – Unabhängikeitstag)

    Danja hatte mal gelesen, dass an diesem Nationalfeiertag die Nationalflagge feierlich gehisst wird. Außerdem werden überall Süßigkeiten verteilt. In verschiedenen Regionen gibt es auch die beliebte Tradition, dass man an dem besagten Tag Drachen steigen lässt. Sogar Wettkämpfe im Drachensteigen gibt es dann. Das klang alles sehr gut. Sie freute sich riesig auf dieses Fest.

    Nachtrag von Chandika

    11.08.2007

    „Kommt nun mit, ihr Beiden. Meine Familie wartet schon unten im Esszimmer auf euch!“ Forderte Anjali die Deutschen auf. „ Und was passier so bei dem Fest?“ Danja packte die Neugier. „ Ist halt ein kleines Fest hier im Dorf. Es wird getanzt und gesungen. Einfach gefeiert!“ „Oh das klingt aber sehr schön!“ Danja konnte sich das alles gut ausmahlen.

    Markus sagte auf Deutsch zu Danja:“ Da muss ich doch nicht mit, oder?!“ „Klar kommst Du auch mit!“ Anjali verstand die Aussage von Markus. Sie sah ihn an. „Hey, Du musst meine Danja begleiten! Das ist besser so! Und das gehört sich auch so!“ Und da konnte Markus nicht mehr „nein“ sagen. Danja wusste ganz genau, was er in diesem Moment dachte, aber das war ihr egal. Anjali hatte die Situation gerettet… Anjali hatte sie gerettet.

    Der Rest der Familie Malhotra saß schon am Tisch. Danja war es peinlich, das sie zu spät gekommen waren. „Ich hoffe, sie haben nicht zu lange auf uns gewartet?“ Sie fragte einfach aus Höflichkeit. Die drei setzten sich auf die freien Plätze am Tisch. „Nein, machen Sie sich keine Sorgen!“ Entgegnete Anjalis Mutter. „Das Essen wird jeden Augenblick serviert!“

    Einen Augenblick später kamen auch schon Drei Bedienstet mit mehreren Tabletts voll mit Essen und stellten sie in die Mitte des großen Tisches. Danja lief das Wasser im Mund zusammen. Das Essen roch sehr gut und es sah auch sehr lecker aus. Und es war tatsächlich Tandoori-Chicken, dazu gab es scharfen Reis und verschiedene Gemüsesorten.

    Herr Malhotra setzte zum Gebet an, und alle folgten ihm. Danja und Markus beteten mit.
    „Wir danken der Göttin Annapurna, die uns auch heute ihre unendliche Güte erwiesen hat, und uns mit viel Nahrung beschert hat!“ Alle anderen redeten Herrn Malhotra nach. Nur heute viel das Gebet in Englisch aus, damit Markus und Danja das Gebet verstanden und auch mitbeten konnten. Nur Oma Kalpana betete Ihr Gebet laut auf Hindi, da sie die Englischen Worte nicht aussprechen konnte.
    Danja bemerkte, während man Essen auf ihren Teller getan hat, dass die Kinder sehr brav am Essenstisch waren. Sie beschwerten sich nicht, kein Mucks war von ihnen zu hören, und sie aßen auch ihre Teller leer. Das war Danja völlig neu. In Deutschland war es ganz normal, das die Kinder am Essenstisch recht laut waren.

    Nach dem Essen, wurde das leere Geschirr wieder abgetragen. Sie alle blieben aber noch ein paar Minuten am Tisch, denn es war bei den Malhotras ein Brauch, alle wichtigen Ereignisse des Tages noch mal Revue passieren zu lassen, und sie ausführlich zu besprechen. Danja war von diesem Brauch sehr angetan. Denn auch Danja ahnte, dass die ganze Familie sich eigentlich nur beim Essen traf, wie bei fast allen Familien auch. Ishwar Malhotra hatte diesen Brauch eingeführt, denn er fand es sehr wichtig, mit seiner Familie (insbesondere mit seinen zwei jüngeren Kindern) über alles zu reden.

    An diesem Tag war die kleine Bharani mit einer guten Schulnote in dem Fach Englisch nach Hause gekommen. Herr Malhotra war sehr stolz auf sie, und schenkte ihr Geld, um ihr Taschengeld ein Bisschen auf zu stocken. Bharani freute sich riesig und gab ihrem Vater einen Kuss auf die Wange. „Papa ist sehr, sehr stolz auf dich, meine Kleine!“ Entgegnete Ishwar auf den Kuss der Tochter. „ Und was liegt bei dir an, Sohnemann?“ Fragte Ishwar nun Charan. Der Sohn druckst rum, ihm war unangenehm, dass sein Vater ihn ansprach. Da Charan kein Wort herausbrachte, beantwortete seine Mutter die Frage: „Charan war heute auffällig in der Schule. Ich habe heute Mittag einen Anruf von der Lehrerin bekommen!“ „So?!“ Ishwar sah streng Charan an. „Was hat er denn gemacht?“ Wollte Ishwar wissen. „ Na ja, er hat sich auf dem Pausenhof geprügelt!“ „Waaas?!“ Herr Mahotra wurde etwas lauter, Charan zuckte zusammen. „Ist das wahr, mein Sohn!“ „Ja, aber Papa!“ Fing nun Charan an zu reden. „Es war so: Ein Schulkamerad hat meine beste Schulfreundin beleidigt! Da konnte ich nicht anders, ich musst sie doch verteidigen!“ Ishwar nickte und fing an, ihm eine Moralpredigt zu halten. Man müsste das anders klären, so würde das nicht funktionieren. Man sollte einen Streit auch anders klären usw. Mutter Devika nickte nur zu Ansprache von Ishwar.“ So, Charan, mehr habe ich Dir nicht mehr zu sagen. Du darfst dich nicht immer so leicht provozieren lassen!“ Beendete Ishwar seine Predigt. Devika lächelte bei dem letzen Satz. Ishwar bemerkte dies. „Was ist los, Devika, mein Teufelsweib?“ „Na ja, ich musste mich nur daran erinnern, wie Du in Charans Alter warst. Du warst viel, viel schlimmer als er! Ein richtiger Lausbub warst Du!“ Alle lachten vergnügt über Devikas Worte. Ishwar hörte das nicht so gerne. Ein Herr Maholtra wurde sogar etwas rot im Gesicht.
    Nach dem Abendessen und diesem Gespräch bat Herr Malhotra die Gäste ins Wohnzimmer. Auf dem Weg dorthin fragte Ishwar, ob Ihnen das Essen auch geschmeckt hätte. „Oh, es war sehr lecker!“ Antwortete Danja. Markus nickte. „Ja, mir hat das Essen auch gut geschmeckt!“ „ Das freut mich. Ich werde es dem Küchenteam berichten. Ihnen ist nämlich sehr wichtig, ob es schmeckt, oder nicht! Sie brauchen ihr Feedback!“

    Die ganze Familie saß nun wieder in diesem gemütlichen Wohnzimmer, außer Oma Kalpana, die wollte sich in ihr Zimmer zurückziehen.

    Anjali fragte Danja, ob sie mit kommen würde, der Hund Charly müsste noch eine kleine Runde laufen. Danja willigte ein. Sie verabschiedete sich von ihrem Freund:“ Bis gleich! Ich kann dich ja alleine lassen?“ „Ja, klar, geh ruhig!“ „ Wir sind in spätestens einer Stunde wieder da!“ Sie gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Bis später!“ Sagte sie zu dem Rest der Malhotras.

    Als Anjali ihren Hund anleinte, sagte Dany:“ Warte mal eben, ich muss noch etwas holen gehen!“ Anjali nickte und Dany sprintete in ihr Gästezimmer und holte ihre Zigaretten.

    Anjali wartete auf dem Hof auf sie. Völlig aus der Puste bremste Danja vor Anjali und dem Hund ab. „Was hast du denn noch geholt?“ Wollte die Wartende wissen. „ Meine, meine Zigaretten!“ Sie gingen los. „Du rauchst immer noch? Du hast mir mal versprochen, damit aufzuhören!“ „ Ja, das stimmt. Aber ich kann es nicht. Gerade wenn ich im Stress bin, rauche ich mehr!“ „ Es ist schlecht für dich! Das musst Du langsam einsehen, meine Liebe! Schau dich an: Du bist schon aus der Puste, wenn du nur kurz gerannt bist! Du bist überhaupt nicht fit! Sieh mich an. Damals in London habe ich auch geraucht und von jetzt auf gleich habe ich damit aufgehört! Einfach so!“ „Das kannst Du nicht miteinander vergleichen. Du warst schon immer eine Gelegenheitsraucherin, während ich immer recht viel geraucht habe!“ „ Nein, nein, so einfach kommst Du mir nicht davon! Das ist kein Argument, das ist nur eine alberne Ausrede von dir!“ Danja wurde etwas sauer. Sie schätzte Anjali sehr, und das sie keinen Blatt vor den Mund nahm, doch manchmal wahr sie ihr einfach zu ehrlich!

    Das große Tor des Grundstückes ging auf, als die beiden Freundinnen mit dem Hund vor ihm standen. Anjali hatte dem Förtner bescheid gegeben, dass er das Tor öffnen sollte. Sie passierten das Tor. Anjali ließ Charly frei laufen. „ Hast Du denn keine Angst, dass er weg läuft?“ „Nein, mein Charly hör aufs Wort!“ Das Tor ging surrend hinter ihnen wieder zu.

    Auf dem Weg unterhielten sich die Freundinnen sehr angeregt über verschiedene Themen. Sie bemerkten kaum noch ihre Umwelt, so vertieft waren sie in ihrem Gespräch. Charly sprang und rannte sehr aufgeregt hin und her. Er freute sich. Manchmal kam er zu Dany, um gestreichelt zu werden und manchmal rannte er vor.

    Danja hielt an, um sich endlich eine Zigarette anzuzünden. Anjali schüttelte nur mit dem Kopf. Sie ersparte sich ihren Kommentar. Darüber war Danja heils froh. Nach ein paar Minuten kamen sie an dem See vorbei. Es war der See, den Danja vorhin entdeckt hatte, als sie Malhotras Haus suchten. Dany bat Anjali, näher an den See zu gehen.

    Sie verfolgten eines der vielen Trampelpfade, die zum See führten. Teilweise mussten sie durch hohes Gras waten. Der Hund war sehr aufgeregt und sprang durch das hohe Gras. Das sah sehr witzig aus. Man sah ab und zu den Hund auftauchen und wieder verschwinden, seine langen Zottelohren hüpfen dabei auf und ab. Er sah aus wie ein Hase.

    Endlich waren sie am See angelangt. Um den See herum war rötlich-braune Erde, kaum mit Pflanzen und Gras bedeckt. Am Ufer befanden sich mehrere große Bäume, die sich zum See hin neigten. Auf dem See waren viele Wasservögel zu sehen. Ein paar dicke Enten schwammen ganz in der Nähe von Anjali und Danja. „Hier ist es wunderschön!“ Bemerkte Danja. „Ja, hier bin ich früher oft hingegangen, wenn ich alleine sein und nachdenken wollte!“ „Ja, das ist der richtige Ort dafür!“ „Komm, da vorne ist eine Bank!“ Anjali rannte los, Danja folgte ihr. Charly rannte an den Beiden vorbei. Völlig aus der Puste erreichten sie die Bank, die unter einem alten Baum stand. „Und hier habe ich mich damals immer heimlich mit meinen ersten Freund getroffen!“ Sie setzten sich auf die Bank. „Wie süß! Du hattest hier dein Liebesnest!“ „Danja, sag so was nicht! Ich war 8 Jahre alt und er war 11!“ „Wie süüüüüüß!“ wiederholte Danja. „Und was ist aus ihm geworden?“ „Er hat das Dorf zusammen mit seiner Familie verlassen. Wir hatten dann nur noch Briefkontakt. Und dann eines Tages hatten wir gar kein Kontakt mehr!“ „Wie traurig!“ „Ja aber so ist das halt!“ Man merkte Anjali an, wie sie in Erinnerungen schwelgte. Sie stieß einen Seufzer aus. „ Wie hieß er denn?“ Wollte Danja wissen. „Gagan, Gagan war sein Vorname! An seinen Nachnamen kann ich mich nicht mehr erinnern!“
    Noch eine Weile saßen die beiden Freundinnen auf dieser alten Bank, bis ihnen einfiel, doch langsam nach Hause zu gehen, denn es wurde schon recht dunkel. Danja machte es nichts aus, im Dunkeln noch wandern zu gehen. Sie liebte die Nacht sehr. Sie mochte die Stille, kein Mensch war dann unterwegs. Dann fiel ihr wieder ein Spruch ein, den mal eine Bekannte von ihr geäußert hatte: “Der Tag verbirgt, was die Nacht enthüllt!“ Den Spruch hatte sie sich gemerkt, denn sie fand ihn sehr schön und auch passend. Ja, die Nacht, die Nacht hat was Magisches an sich. Man konnte schon behaupten, dass Danja eher ein Nachtmensch war. Der krasse Gegensatz zu Anjali: Sie hatte Angst im Dunkeln, vor allem, wenn sie alleine war. Sie verabscheute die Nacht, wie ein lästiges Insekt. Einmal wollte Danja mit Anjali eine Nachtwanderung machen. Diese Idee war für Anjali schier absurd. Wenn Danja die Nacht war, war Anjali der Tag! Aber Tag und Nacht, sie brauchen sie gegenseitig, und genau so verheilt es sich mit Anjali und Danja.

    Nachtrag von Chandika

    Anjalis Schritte wurden immer zügiger, als sie Richtung Heimat liefen. „Was rennst Du denn so?“ Beschwerte sich Danja. „Jetzt komm schon, ich will nach Hause!“ „Du hast dich nicht verändert! Ist dir immer noch unwohl im Dunkeln?“ Unwohl ist wohl eher untertrieben!“ Beantwortete Anjali ihre Frage. „Schau doch mal nach oben, die Sterne werden langsam sichtbar!“ Ja, toll!“ Danja bemerkte die Ironie. Anjali wurde nervös und hektisch. Die Deutsche hielt Anjali am Arm fest, sodass sie sie anschauen musste. „Anjali, ganz ruhig! Verfall jetzt nicht in Panik. Du kennst doch das Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams…Da steht drin: Don´t panic! Keine Panik! Also hol tief Luft und atme gaaaanz langsam wieder aus!“ „Dany, ich, ich…!“ „Tu, was ich dir sage! Ich weiß du willst nach Hause, da kommen wir auch gleich hin. Vor was willst Du wegrennen?“ „ Du hast Recht. Hier kann uns nichts passieren! Wir sind ja gleich da!“ „Ganz genau!“ Danja ließ den Arm ihrer ängstlichen Freundin wieder los. Anjali leinte ihren Hund Charly an, dem das wohl nicht gefiel, denn er wehrte sich, indem er weiterlaufen wollte. Er wollte weiterhin seine Freiheit haben. „Siehst Du: Und Charly haben wir auch dabei! Der wird sich melden, wenn was ist!“ Ja, stimmt!“ Sie liefen nun weiter.
    Danja sah auf ihre Armbanduhr. Es war schon 20:04 Uhr. Sie waren schon fast zwei Stunden unterwegs. Sie hatte ihrem Freund gesagt, dass sie nur eine Stunde weg sein würden. Anjali fragte, was denn los sei. Sie erklärte ihr die Tatsache. „Was? So ein Mist! Die machen sich zu Hause bestimmt schon Sorgen um uns!“ „Warte mal, ich habe mein Handy dabei, ich kann ja kurz bei euch anrufen! Musst mir nur eure Nummer sagen, die habe ich nicht im Kopf.“ Anjali nickte. Dany kramte in den Taschen ihrer leichten Sommerjacke. Sie fand ihr Handy. Anjali verriet ihr die Festnetznummer von daheim. Danja wählte diese Nummer.

    Sofort meldete sich Jemand an der anderen Leitung. „Malhotra!“ Es war Devika Malhotra, die Mutter von Anjali. “Ja, Hallo Frau Malhotra, hier ist Danja!” “Oh, Du bist es! Ich habe mir schon Sorgen um euch gemacht! Wo seid ihr?“ „Wir sind auf dem Weg zurück, wir sind in ca. 20 Minuten wieder da!“ „Ja, gut! Gut, dass Du dich gemeldet hast!“ „Entschuldigen Sie, aber wir haben völlig die zeit vergessen!“ „Ist schon in Ordnung! Jetzt weiß ich ja, dass euch nichts passiert ist. Ich habe schon meinen Mann verrückt gemacht! Beeilt euch, ja? Es wird schon dunkel!“ „Ja, wir beeilen uns! Bis gleich, Frau Malhotra!“ „Bis gleich!“ Danja drückte auf die Taste ihres Handys, um die Verbindung zu beenden, danach klappte sie das Handy zu und verstaute es wieder in ihre Jackentasche.
    Anjali sah sie fragend an. „Und was hat sie gesagt? Es war doch meine Mom am Telefon, nicht wahr?“ „Ja, sie war am Telefon. Sie hat sich tatsächlich schon Sorgen gemacht! Aber ich konnte sie beruhigen. Du hast ja mitbekommen, was ihr gesagt habe!“ „Oh, gut!“

    Dany steckte sich eine Zigarette an. „Das muss jetzt sein, nach der ganzen Aufregung!“ Kommentierte sie ihr Handeln. Anjali ging neben ihr her.

    Die Deutsche konnte nicht so wirklich nachvollziehen, warum man so ein großes Bohai darum machte, warum man noch abends unterwegs war. In Deutschland war es völlig normal, das jüngere Leute noch abends was unternahmen. Sei es in die Disko gehen oder sonst irgendetwas. Aber Danja musste sich den Sitten und Gebräuchen dieses Landes fügen, denn dieses Land war nun ihr zu Hause.

    Anjali und Danja kamen letztendlich heil nach Hause. Danja erfuhr, dass nur Frau Malhotra sich Sorgen gemacht hatte, die Anderen fanden es nicht schlimm, dass die beiden Freundinnen die zeit vergessen hatten. Gerade Herr Malhotra sah ein, dass sich Danja und Anlali lange nicht mehr gesehen hatten und deswegen sich viel zu erzählen hatten.

    Markus und Danja gingen an diesem Abend sehr früh ins Bett. Sie Beide waren sehr geschlaucht von der Reise und sie haben ja genug an diesem Tag erlebt.

    Das Bett war für Danja sehr bequem und man hatte genug Platz. Sie drehte sich um und wollte noch etwas mit Markus bereden. Aber dazu kam es nicht, denn dieser war schon längst eingeschlafen. Schlafen! Das war eine gute Idee, doch irgendwie hatte Danja Probleme einzuschlafen. Sie war todmüde! Sie musste noch über so viele Sachen nachdenken. Ihr Geist war noch hellwach, doch ihr Körper verlangte dringend nach Schlaf. Sie dachte über den Tag nach, über all das was geschehen ist und sie dachte an Arun, dem Inder, den sie begegnet war. Er wollte ihr einfach nicht aus dem Kopf!
    Endlich schlief sie doch ein. Man sagt ja: An das Letzte, woran man gedacht hat, bevor man schläft, davon träumt man auch. Ihr letzter Gedanke galt Arun und von ihm träumte sie auch. Es war ein sehr seltsamer Traum, den sie hatte. Sie sah Arun, sehr gutaussehend: Er trug ein traditionelles indisches Gewand, das man zu einer Hochzeit normalerweise trug. Er stand vor ihr, reichte ihr seine Hand und er lächelte sie an. Danja befand sich in einem schöngeschmücktem Festsaal. Viele Leute standen um Arun und Danja. Sie alle beobachteten das Geschehen. Dany sah in Aruns Hand. In ihr befanden sich zwei vergoldete Eheringe. Sie sah in seine braunen Augen. Doch sie erkannte, dass er seine Mimik drastisch veränderte. Seine Augen sahen schmerzverzerrt aus. Sie sah wieder in seine Hand, doch diesmal erkannte sie, das viel Blut aus seiner Hand lief. Die Eheringe verwandelten sich in ihren Augen zu Ringen mit spitzen Stahldornen, die sich in seine Hand bohrten. Sie vernahm einen kurzen Schrei von ihm, die Ringe ließ er auf den Boden fallen…

    Danja erschrak aus ihrem Albtraum. Ihr Herz raste und sie atmete kurz und flach. Schon wieder so ein Traum, kann das mal nicht endlich aufhören. Sie hatte schon seit einiger zeit so ähnliche Träume. Sie tastete im Dunkeln nach ihre Armbanduhr, die auf dem Nachttisch lag. Sie fand sie. Sie drückte einen kleinen Knopf an der Uhr, um die Beleuchtung der Uhr zu betätigen. Es war 1:18 Uhr. Sie stand vom Bett auf. Sie erkannte nicht viel im Dunkeln, nur ein paar Konturen. Sie lief zu der Eckbank. Auf dem Tisch müssten sich ihre Zigaretten befinden. Sie beschloss auf den Balkon zu gehen, um sich eine Zigarette zu rauchen. Irgendwie musste sie sich ja wieder beruhigen. Sie schnappte sich ihre Zigarettenschachtel, ihr Feuerzeug und den Aschenbecher und machte mit der rechten Hand die Balkontür auf. Draußen war es etwas heller, als im Zimmer, denn der Mond spendete recht viel Licht. Sie setzte sich auf einen der Stühle und zündete sich ihre ersehnte Zigarette an. Bei jedem Zug, den sie machte, beruhigte sie nach und nach. Sie merkte insgesamt, dass sich ihr Körper beruhigte. (Anmerkung: Ich will es noch mal deutlich betonen: Rauchen ist ungesund. Man sollte es gar nicht erst damit anfangen!)

    Danja fror auf diesen Balkon, sie zitterte vor Kälte. Trotzdem bemerkte sie den Sternenhimmel. Er war wundervoll. So viele Sterne! So einen tollen, eindrucksvollen Sternenhimmel gab es in Deutschland nicht zu sehen. Sie stand vom Stuhl auf und stellte sie an das Geländer vom Balkon. Sie sah nach oben, die Aussicht war wie in einem Traum. Millionen Sterne funkelten sie an.

    Sie erschrak, als sie eine Hand an ihrer Hüfte spürte. Aber in dem anderen Moment begriff sie: Es war Markus. „Ach da bist du! Habe mich schon gewundert, wo du abgeblieben bist!“ „Ich hatte wieder einen Albtraum!“ „Du arme! Hey, du zitterst ja! Ist dir kalt? Komm wieder ins Bett!“ Er küsste sie kurz am Hals und nahm ihre Hand und führte sie wieder ins Bett.

    Markus und Danja wachten am nächsten Morgen gemeinsam Arm in Arm auf. Es war nun Sonntag. Markus schaute auf seine Armbanduhr. „Und, wie spät haben wir es?“ Fragte sie ihrem Freund. „Kurz nach 9 Uhr!“ „Du hast auch nicht mitbekommen, ob vorhin Jemand uns schon wecken wollte?“ „Nein!“ „Ich möchte das Frühstück nicht verpassen, komm lass uns aufstehen!“ Mit einem Satz war Danja aufgestanden. Markus brauchte etwas länger, um sich aus dem Bett zu aalen. Er setze sich auf das Bett und streckte sich erst einmal ausgiebig. Danja zog sich an und fragte ihn, ob er denn gut geschlafen hätte. Er nickte nur. „Ich habe auch gut geschlafen nach diesem blöden Albtraum, den ich hatte!“ Sie ging ins Badezimmer, um sich frisch zu machen. Als sie beim Zähneputzen angelangt war, klopfte es laut an die Tür. Danja nahm die Zahnbürste aus ihrem Mund und sprach laut zu Markus: „Gehst du mal bitte an die Tür! Ich kann grad nicht!“ Sie versuchte deutlich zu reden, denn sie hatte noch etwas Zahnpasta im Mund. „Ja!“ Bekam sie die zufrieden stellende Antwort.

    Markus schlürfte zu Tür und öffnete sie. Anjali stand da und sah ihn mit großen Augen an. Er hatte eine Jeans an, aber noch kein Oberteil. Sie wendete ihren Blick von ihm ab und schaute an ihm vorbei. Sie presste nur die Worte schnell raus;“

    Es-gibt-gleich-Frühstück-das-wollte-ich-nur-sagen-in-einer-halben-Stunde!“ Markus wollte sich bei ihr bedanken, doch sie verließ fast fluchtartig den Gang. Markus zuckte mit den Schultern und schloss die Tür.

    Danja kam aus dem Badezimmer heraus und kämmte sich dabei ihre Haare. „Wer war es denn?“ „Es war Anjali. Ich habe sie wohl erschreckt, oder so!“ Danja sah ihn von oben bis unten an. „Und so bist du an die Tür gegangen?!“ „Ja, warum denn nicht? Ich bin doch nicht nackt, oder so!“ „Nein, aber halbnackt! Du musst langsam begreifen, das die Uhren hier etwas anders ticken, Mensch! Wie sind hier nicht bei einem Grillabend in Deutschland, wo du deine Plauze frei zu schau stellen kannst!“ Danja war wütend auf ihn. „Was regst Du denn dich schon wieder so künstlich auf!? Ist doch nichts passiert!“ „Du verstehst auch gar nichts! Wegen dir muss ich mich gleich bei Anjali in alle Form entschuldigen!“ „Wofür denn?“ „Ich gebe es auf! Du willst es einfach nicht verstehen! Komm, jetzt mach dich langsam fertig! Ich habe Hunger!“

    Danja ging auf den Balkon, um zu rauchen. Normalerweise, tat sie das nie bevor sie etwas gegessen hatte. Aber diesmal musste es sein. Ihr Freund war daran schuld, dieser Ignorant! Warum bekam er denn nicht einfach in seinen Schädel rein, dass er nicht mehr in Deutschland ist?! Sie hatte ihm doch alles so gut, wie sie nur konnte erklärt, bevor sie nach Indien flogen. Sie verzweifelte.

    Markus war endlich fertig. Er kam frischrasiert und gekämmt auf den Balkon zu Danja. „Ich bin soweit, wir können!“ Das ließ Danja sich nicht zwei Mal sagen und stand auf. „Na, endlich, ich sterbe vor Hunger!“

    Sie beide wurden auch schon am Esstisch erwartet. Es fehlten nur die Kinder und die Mutter. Anjali saß auch schon am Esstisch. „Morgen!“ Sagte sie mehr zu Danja, denn Markus hatte sie ja schon „gesehen“. „Guten Morgen sagten Markus und Danja in die kleine Runde. Dany setzte sich neben Anjali. Nach einer Weile fragte sie Anjali, wo denn der Rest der Familie abgeblieben wäre. „Ach, es ist wieder mal so typisch für Charan und Bharani! Sie wollen sonntags immer länger schlafen! Mama ist oben bei Ihnen um sie aus den Betten zu holen. Mama findet das immer sehr nervig. Sie findet das auch nicht toll, dass die Beiden immer sonntags Früh das Gebet verpassen. Aber was will man da machen!“

    „Warst du heute auch schon beim Gebet?“ Interessierte sich Danja. „Aber natürlich!“ Während sich Anjali und Danja unterhielten, unterhielten sich Markus und Ishwar Malhotra. Danja bekam von dem anderen Gespräch nichts mit. Nun traute sich Dany das Thema anzusprechen, was ihr eigentlich auf dem Herzen lag. „Du, ehm, wegen Markus vorhin! Ich will mich deswegen bei dir entschuldigen…!“ „Ach, schon gut!“ „Nein, nichts ist gut! Ich habe ihm noch mal erklärt, was Sache ist. Er kann so dir die Tür nicht aufmachen. Aber ich hatte gedacht, er wüsste das schon längst!“ „Mach dir keine Sorgen. Ich war schon sehr überrascht, das stimmt! Aber ich verzeihe ihm. Er ist halt ein Mann. Und Männer denken oft nicht nach! Sie machen Dinge halt so, wie sie es für richtig halten, ohne nachzudenken, ob man gerade Jemanden auf den Schlips tritt, oder nicht! So sind halt Männer! Sie machen das keineswegs mit bösen Absichten, oder so. Das will keiner ihnen Unterstellen!“ „Oh, besser hätte ich das nicht sagen können! Du sprichst mir aus der Seele1“ Kommentierte Danja.

    „Was habe ich da gehört?!“ Wollte Ishwar Malhotra wissen, denn er hatte wohl mit einem Ohr dem Gespräch der Mädchen zugehört. „Ihr macht euch über Männer lustig! Das finde ich ja überhaupt nicht gut!“ „Nein Vater, wir machen uns nicht über euch lustig! Das würde uns im Traum nicht einfallen. Wir haben nur festgestellt, wie Feinfühlig Männer sind, nämlich gar nicht!“ Danja schaute in Herr Malhotras Gesicht. Sie befürchtete Schlimmes, doch dieser grinste nur vergnügt. „Ich fühle mich nicht angesprochen. Devika hat sich diesbezüglich noch nie bei mir beschwert!“

    „Was ist mit mir?“ Kam es von Devika Malhotra. Sie kam mit den Kindern an den Tisch. „Ach ist schon gut, Liebes!“ „Nein, ich möchte das jetzt aber wissen!“ „ Du kannst zwar alles Essen, aber nicht alles wissen, meine Frau!“ Schmollend setzte sie sich an ihren Platz, Charan und Bharani nahmen an auch platz.

    „Ich habe in der Küche bescheid gegeben. Sie kommen gleich mit dem Frühstück!“ Informierte Devika alle Anderen. Sie wiederholte den Satz auf Hindi für Oma Kalpana. Diese entgegnete Etwas darauf, aber Danja verstand kein einziges Wort. Danjas Magen knurrte. Ihr war es peinlich. Aber alle lächelten sie an.

    Die Familie Malhotra und ihre Gäste frühstückten in aller Ruhe und Gemütlichkeit. Dany war nun gesättigt, das war ein sehr schönes Gefühl! Herr Malhotra hatte vor, seine Gäste den hinteren Garten zu zeigen und den Rest des Hauses, das sie noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Aufmerksam schaute sich Danja alles an.

    Als sie zu dem Garten kamen, konnte sie ihren Augen nicht trauen. Der hintere Garten war noch prächtiger als der Vordergarten, und vor allem viel größer! Sie liefen einen kleinen Weg entlang, der mit bunten Steinplatten ausgelegt war. Danja hielt an. Sie betrachtete einen riesigen Rosenstrauch. Die Rosen waren lachsfarben und hatten einen rötlichen Rand. Sie schnupperte an einer Rose. Sie roch fantastisch. Ishwar beobachtete sie. „Ja, diese Rosen sind der ganze Stolz meiner Frau!“ „Sie sind wunderschön!“ Markus wurde ungeduldig, denn er wollte die Besichtigungstour weiter machen. Als sie weitergingen, entdeckten Markus und Danja einen Pool, der mit einer großen, blauen Plane abgedeckt war. Als Ishwar den Blicken der Beiden folgte, kommentierte er:“ Ja unser guter Pool! Wir haben ihn abgedeckt, wegen dem Monsun, damit der Pool nicht allzu sehr dreckig wird!“ Ganz in der Nähe war eine große Gartenlaube,davor war eine Art Veranda mit Tischen und Stühlen. Große Bäume umrandeten die Veranda.In den Bäumen waren Partylichter aufgehängt. Ein wahrlich schöner Ort zum feiern, dacht Danja! „Ja, und hier haben wir meistens unsere Feiern, wenn das Wetter natürlich mitspielt!“ Erklärte Ishwar. „Ja, kann ich mir sehr gut vorstellen!“ Meinte Markus.

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Der Artikel Geschichte "Ja, Du bist eine fremde in diesem Land" wurde zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2007 von Chandika

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