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Dieses Thema enthält 9 Antworten, hat 5 Stimmen, und wurde zuletzt vor vor 10 Jahre, 12 Monaten von  Shahrukh aktualisiert.

10 Beiträge anzeigen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)
  • Autor
    Beiträge
  • #10887

    rinaldo
    Mitglied

    Die Erwartungen waren gigantisch: Hauptdarsteller Aamir Khan hatte gerade wenige Monate vorher mit „Rang De Basanti“ einen der größten Hits des Jahrzehnts abgeliefert (510 Millionen Rupien Nettoeinspiel in Indien) und macht Shah Rukh Khan den Rang als King of Bollywood streitig, Hauptdarstellerin und Superstar Kajol feierte nach einer 4 ½ jährigen Baby-Pause ihr Comeback, Regisseur Kunal Kohli hatte bereits mit „Mujhse Dosti Karoge!“ und „Hum Tum“ zwei gelungene und teils auch erfolgreiche Filme abgeliefert und die Produktionsfirma Yash Raj steht schon lange für Qualität, Aufwand und Erfolg. Und der stellte sich auch diesmal ein: Nach einem Rekordstart (inzwischen schon zwei Mal wieder überboten worden) entwickelte sich „fanaa“ zum Super-Hit und konnte nach nur 10 Wochen astronomische 531 Millionen Rupien netto in die indischen Kinokassen spülen. Mit zwei Jahrzehnt-Hits in nicht mal einem halben Jahr ist Aamir Khan damit nun ein heißer Anwärter auf den Thron des momentan größten Bollywood-Stars überhaupt.
    Ist „fanaa“ aber auch ein guter Film?

    Inhalt: Die blinde Zooni Ali Beg (Kajol) darf zum ersten mal ihren Provinzort in Kaschmir verlassen um in Delhi an einer Aufführung teilzunehmen. Dort verliebt sie sich in den charmanten Stadtführer Rehan Qadri (Aamir Khan); ohne zu wissen, dass diesen ein dunkles Geheimnis umgibt…

    Kritik: Vor einer indischen Flagge salutiert eine junge, blinde Frau. Mit diesem Bild meldet sich Superstar Kajol nach einer ewig langen Pause (ihr letzter Film war „In guten wie in schweren Tagen“ aus dem Dezember 2001, in „Lebe und denke nicht an morgen“ hatte sie 2003 einen winzigen Kurzauftritt) beim Publikum zurück. Die Kamera verweilt etwas länger als nötig, um dem Kinopublikum die Möglichkeit zu geben, den Star angemessen johlend zu begrüßen, dann ist sie wieder da. Geändert hat sich nicht viel: Ihre Gestik und ihre Mimik ist immer noch die gleiche, genauso wie ihre Schönheit und außergewöhnliche, erhebliche Strahlkraft als Star. Gerade letzteres wird, wie sich herausstellen wird, den Film über weite Strecken nicht nur tragen, sondern tragen müssen.

    Man sieht „fanaa“ an, dass er als großer Blockbuster konzipiert wurde. Neben den beiden Superstars sieht man außerordentlich schön fotografierte, erlesene Bilder, eine geschmeidige Montage und Aufwand, wohin man blickt. Das gilt auch für die Songs. Der auf CD sich manchmal etwas langatmig anhörende Score von Yatin-Lalit entwickelt sich in Kombination mit der Inszenierung zu einer großen Stütze des Films, plötzlich funktionieren viele der Lieder erstaunlich gut und sind prächtig anzusehen, insbesondere die zweite Nummer „Des Rangila“ ist ein Lichter- und Farbenrausch von betörender Herrlichkeit und Schönheit, in den man sich gerne fallen lässt.

    Was dem Film allerdings erheblich schadet, ist ein außerordentlich und erstaunlich schwaches Drehbuch. Bis zum Abspann kann man nicht genau eruieren, ob Drehbuchautorin Shibani Bathija nur denkfaul war, oder schlicht dilettierte. Stark konstruierte Geschichten und auch ein abrupter Wechsel des Erzähltons nach der Intermission sind ja keine Seltenheit im Bollywood-Kino, erreichen in „fanaa“ aber beide ein erstaunliches Maß. Insbesondere, was man an Handlungswendungen vor die Füße geworfen bekommt, ist derartig konstruiert, dass man dem selbst mit viel gutem Willen, dem man der attraktiven Produktion gerne entgegen bringen möchte, einfach nicht mehr folgen kann und möchte und deshalb auf Distanz zur Geschichte gehalten wird. Das gilt auch für die beiden Hauptfiguren, die viel zu schwach bzw. gar nicht charakterisiert sind.

    Überwiegt in der ersten Hälfte noch eine hübsche Liebesgeschichte, deren Formelhaftigkeiten man dank eines angenehmen Schwebe- und Trancezustands der Geschichte gerne übersieht, wird nach der Intermission dann in ein außerordentlich schicksalsträchtiges Melodram mit Thriller-Elementen umgeschaltet, dessen Schicksalsschläge allerdings so brutal unglaubwürdig präsentiert werden, dass man teilweise richtiggehend schlucken muss. Verraten werden soll hier nichts, nur dieses: Es geht im Finale alles andere als darum, ob Aamir Khan und Kajol sich „kriegen“. Alldem folgt man mit spürbarer Distanz, wird aber, eine gewisse Toleranz Unglaubwürdigkeiten gegenüber voraus gesetzt, durchaus ansprechend unterhalten. Wie häufig hätte die Partie kurz nach der Intermission eine kleine Kürzung ganz gut vertragen, da hängt „fanaa“ ein wenig durch, fast drei Stunden lang hätte der Film nicht sein müssen.

    Viele der Defizite der Geschichte müssten die beiden Stars wett machen, und da ist Kajol eindeutig besser dran. Sie trägt den Film spielend und es macht zugegeben wirklich Freude, ihr mal wieder für fast drei Stunden zuzusehen, während Aamir Khan etwas undankbar in einer arg unterfordernden Rolle im wesentlichen dadurch Aufmerksamkeit erregt, dass er mit verblüffenden Outfit-Wechseln durchaus an die beiden „Day of the Jackal“-Verfilmungen erinnert. Khans Spitzbübischer Charme wird so nur in Ansätzen erkennbar, sein Darstellertalent so gut wie nicht benötigt. In Nebenrollen bekommen u.a. Rishi Kapoor, Kiron Kher und vor allem Tabu wenig Möglichkeiten, sich zu profilieren.

    Ist „fanaa“ ein schlechter Film? Keineswegs. Die äußerliche Attraktivität der Stars und der geschmeidigen Inszenierung sorgen für einen durchaus unterhaltsamen Streifen, bei den Voraussetzungen (Stars, Regie, Produktionshaus) hatte man sich aber doch mehr erwartet und erhofft – und kann den außerordentlichen Erfolg des Films in Indien nur schwer nachvollziehen. Dieser bedeutet aber immerhin folgendes: Viele weibliche Stars schaffen nach einer Baby-Pause nicht den Sprung zurück an die Spitze, bei einem derart astronomischen Einspielergebnis kann man Kajol aber nur zu ihrem Comeback beglückwünschen. Welcome back, Kajol. Natürlich erweist sich eine solch große, von Aditya Chopra produzierte Produktion als ideales Vehikel für ein Comeback, ein besseres Drehbuch beim nächsten Mal wäre ihr aber zu wünschen. Uns auch.

    Fazit: Sehr attraktiv besetzter und inszenierter melodramatischer Thriller, dessen Oberflächenreize dafür sorgen, dass ein erschreckend schwache Drehbuch den Unterhaltungswert nur wenig mindert.

    Punkte: 7/10.

    #10888
    Redaktion
    Redaktion
    Super-Administrator

    Ist diese Kritik von dir oder von wem?

    #10890

    rinaldo
    Mitglied

    Natürlich ist diese von mir und spätestens jetzt weißt du hoffentlich auch wie ich mir eine solche Filmkritik wünschen würde. 👿

    Hoffe sie hat gefallen und war informativ.

    #10893

    SRKajol
    Mitglied

    Hallo rinaldo, :es35

    danke für diese sehr ausführliche Filmkritik!

    Aber sie ist mir persönlich etwas zu lang und ausführlich!
    Nimmst du eigentlich jeden Film so auseinander? Oder kannst du dich auch nur von einem Film berauschen lassen?
    Das ist jetzt nicht böse gemeint!
    Aber wenn ich jeden Film so auseinander pflücken würde, dann würde mir das gucken keinen Spaß mehr machen!

    Alles in allem hast du einen guten Job gemacht! Hat mir gefallen! 😀

    lg SRKajol

    #10904
    Redaktion
    Redaktion
    Super-Administrator

    Hehe stell dir vor, sowas kann einem auch Spaß machen :o:

    #10907

    rinaldo
    Mitglied

    Namaste liebe SRKajol!

    Also ich lasse mich sehr gerne von einen Film berauschen, bin aber danach dennoch in der Lage meine Eindrücke als verständliche Filmkritik niederzuschreiben und sie somit mit anderen zu teilen.

    lg rinaldo
    PS: Lies meine Kritik ganz, du wirst sehen lesen macht Spaß und kann auch manches Mal sehr informativ sein.

    #10908

    floeckchen333
    Mitglied

    Hallo ,Recht hast du ,Informatiev ist deine Kritik aber (entschuldige bitte meine frage) siehst Du das noch als „Film “ oder schon mehr als Realität an? Trotz allem muß ich sagen du machst echt hier einen guten Job!
    Liebe Grüße Birgit

    #10909

    rinaldo
    Mitglied

    Liebe Birgit!

    Erst einmal danke für das Lob, nun aber gleich weiter zu deiner leichten Kritik, bezüglich meiner Wahrnehmung von Filmen.

    Wenn man die „Realität“ vom Philosophischen Standpunkt betrachtet muss die Frage erlaubt sein was man als „die Realität“ akzeptiert und begreift und ob wir uns im hier und jetzt auch wirklich befinden.
    Vielleicht ist ja das ganze Leben nur ein kleiner kurzer Traum, wer kann das schon mit Bestimmtheit sagen?

    Natürlich kann man das Leben und „die Realität“ ganz nüchtern und pragmatisch betrachten, man wird aber sehr schnell feststellen das dies bei weiten nicht so viel Spaß macht und außerdem bleibt man jung wenn man alles immer wieder hinterfragt.

    Nun gut, verlassen wir mal den Pfad des Philosophen und wenden uns einer bildlichen Sprache zu.

    Für mich ist ein guter gemachter Film am ehesten mit einer aufregenden Frau zu vergleichen.
    Im Idealfall verliert man sich vollkommen dabei und man vergisst Zeit und Raum.
    Wenn dies passiert, fällt es einen anschließend sehr leicht darüber ganze Abhandlungen zu verfassen, in manchen fällen besteht danach sogar das Bedürfnis das erlebte zu Papier zu bringen.

    Wie war die Frage jetzt nochmals? 😀

    #10921

    floeckchen333
    Mitglied

    Hallo Rinaldo,

    OK, ich muß sagen das Du gut gekonntert und sehr gut argumentiert hast ,ganz ehrlich jetzt kann ich Dich auch ein wenig verstehen vor allen Dingen Dein letzter Vers .Ich habe auch hin und wieder das Bedürfnis einiges erlebte auf Papier zu bringen.
    Nun, jetzt möchte ich das Thema aber nicht vorallgemeinern und Danke Dir für Deine Antwort
    Liebe Grüße Birgit

    #10927

    Shahrukh
    Mitglied

    Klasse Kritik, muss ich echt sagen! Ich bin erstaunt wie gut du Texte formulieren kannst.
    Mit der Kritik kann man echt etwas anfangen…

    Dank dir werde ich jetzt wieder Geld los, um mir den Film umbedingt zu kaufen 😀 😉

10 Beiträge anzeigen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)

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Der Artikel Filmkritik: fanaa wurde zuletzt aktualisiert am 29. August 2006 von rinaldo

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