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Dieses Thema enthält 0 Antworten, hat 1 Stimme, und wurde zuletzt vor vor 11 Jahre, 1 Monat von  rinaldo aktualisiert.

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    rinaldo
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    17. September 2006
    Bombay liegt acht Flugstunden entfernt, aber Indiens Filme sind längst hier. Im Abendprogramm von RTL 2 zum Beispiel, da verzehrt sich Shah Rukh Khan nach Kajol. Auf den Musicalbühnen singt Bhawna Pani jetzt in „Barati“ von der „Suche nach dem Licht“, in Studio-Kursen in deutschen Großstädten tanzen Mädchen barfuß Bhangra. Und dann ist Bollywood auch noch an der Bergstraße. Oder doch nicht?

    Valeria Mei rennt zu schnell. Sie nimmt so viele Stufen auf einmal, daß Kushesh Kuresh Rusto ihr kaum folgen kann. Im Kontrollfenster der Kamera ist bloß die gehetzte Frau zu sehen, mit rudernden Armen und fliegendem Haar. Vom jungen Mann hinter ihr ragt eine ausgestreckte Hand ins Bild. Das geht nicht. „Schnitt“, rufen Kameramann und Autor. Mei und Rusto laufen wieder ein Stück zurück. Dann hasten sie noch einmal den Weg entlang, vorbei an der Burgmauer und knipsenden Touristen. Sieben Sprints liegen hinter ihnen, zwei werden noch folgen. In der neunten Aufnahme vergißt niemand ein Wort, verdeckt den anderen oder lacht versehentlich. Elf perfekte Sekunden. Und Valeria Mei und Kushesh Kuresh Rusto bekommen ein bißchen Applaus.

    Weinberge, Fachwerkhäuser und Burgen liebgewonnen

    Die beiden machen bei dem ersten Bollywood-Film in Deutschland mit. Sie drehen an der Bergstraße „Humraah“, ein Zwei-Stunden-Epos. Produzent Vinod Kumar Singh hat die Kulisse am Rande des Odenwaldes ins Herz geschlossen – die Weinberge, die Fachwerkhäuser und die Burgen. „Und alles so dicht beieinander!“ ruft der Mann mit dem schütteren Haar und dem orangefarbenen Hemd. Weil ihn die Gegend so entzückt, will er sich dort ansiedeln, will dort ein Produktionsbüro einrichten, will dort bald „Love in Heppenheim“ filmen. Die Schweizer Berge hat das indische Publikum schließlich schon zur Genüge gesehen. Die Bergstraße aber noch nicht. Ob sie die Schweiz ersetzen kann, will Singh mit 250 Filmkopien auf dem indischen Markt ausprobieren. „Humraah“ ist bloß ein Versuchsballon. Ein Test, der eine halbe Million Euro teuer ist. Sagt der Produzent. Ein 250.000 Euro preiswerter Test. Sagt ein Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand.

    „Humraah“ heißt so viel wie „Der Verräter“. Ein Regierungsmitarbeiter entwendet geheime Dokumente zu einer Kernkraftanlage. Anschließend flieht er – nach Heppenheim in Südhessen, findet dort eine Frau, bekommt eine Tochter und lebt unbehelligt. Bis ihn 20 Jahre später ein Agent des indischen Geheimdienstes aufspürt. Nur: Der Agent verfällt der Tochter. Er bezirzt sie mit Pralinen und Blumen, mit Tanz und Gesang. So steht es im Drehbuch. Es besteht bloß aus zwei, drei handgeschriebenen Seiten, die jemand auf den Fotokopierer gelegt hat. Mehr rückt der Produzent nicht heraus, aus Furcht, die fesselndsten Handlungsstränge könnten gestohlen und in Bombay nachgeahmt werden. Deshalb weiß Valeria Mei lediglich, daß sie nun den Burgpfad entlang- spurten muß. Was dann geschieht, ist noch ungewiß.

    Niemand sperrt den Drehort ab

    Valeria Mei trägt eine kurze Lederjacke und handtellergroße Sonnenbrillengläser, einen hellgelben Salwar Kamiz und ein glänzendes Bindi. Sie kommt aus Rom und spricht Hindi. Zumindest ein paar Silben. Die sie mit Kugelschreiber in Lautschrift zwischen ihre Drehbuchzeilen kritzelt und Buchstabe für Buchstabe auswendig lernt. „Du hast mein Vertrauen mißbraucht“, murmelt die Italienerin, erst auf englisch, anschließend auf Hindi. „Mein Vater ist kein Mörder.“ Irgendwann drängt die Zeit, und die Kamera läuft. „Sag einfach deinen Text“, befiehlt der Autor. Doch nach jedem Punkt stockt Valeria Mei und damit auch die Aufnahme. Eine Nebendarstellerin raschelt mit den Papieren und flüstert ihr den nächsten Satz zu: „Du hast mein Vertrauen mißbraucht.“ Nur eben auf Hindi.

    So hat sie sich ihren ersten Bollywoodfilm eigentlich nicht vorgestellt. Niemand sperrt den Drehort ab, pudert die Hauptdarsteller in den Pausen oder hält eine Tonangel. Keine Filmklappe kündigt die nächste Aufnahme an. Ein Dreh mit Shah Rukh Khan sieht anders aus. Mei hatte mit einer großen Crew und drei Kameras gerechnet. In der Burgruine bündelt nur ein Assistent mit einer Reflektorplatte das Sonnenlicht. So fällt kein Schlagschatten auf das Gesicht der Schauspielerin, wenn das Objektiv auf sie gerichtet ist. Das eine Objektiv. Aber Catering gibt es. Das indische Restaurant am Bahnhof liefert Lammfleisch, Reis und Erbsen in Aluschalen.

    Roter Festival-Teppich von Venedig als Ziel

    Das ißt die Crew auf den Picknickbänken vor der Burg. Die Crew, das sind ungefähr 30 Mitarbeiter, schätzt der Produzent. Vor den Aluschalen sitzen elf. Zum Beispiel der Kameramann Steffen Welsch, der aus Stuttgart kommt, sonst für deutsche Nachrichtensendungen arbeitet und gerne wieder einmal eine raffinierte Untersicht drehen würde. Manchmal grämt er sich wegen des Chaos, meistens versöhnt ihn das Gelächter am Set. Am Tisch daneben sitzt Prashant Prabhakar, der vor vier Jahren von Neu-Delhi nach Göttingen gezogen ist. Er mimt den besten Freund des Agenten und will bald nach Köln ziehen, weil er auf den großen Durchbruch an der Seite von Anke Engelke hofft. Zwischen ihnen hockt Valeria Mei. Die 26 Jahre alte Schauspielerin möchte eines Tages in Venedig über den roten Festival-Teppich spazieren.

    Mei sieht nicht traurig aus. Dabei hat doch ihr Retter im Film ihr Vertrauen mißbraucht und den Vater des Mordes bezichtigt. Also soll sie weinen. Mei spiegelt sich im Objektiv der Kamera, zieht das Augenlid herunter und trägt mit dem kleinen Finger Glycerin-Tinktur auf. „Brennt wie Feuer“, ruft sie und schließt die Augen, Tränen rollen ihr die Wangen herunter. „Ach, mir gefallen eure Bombay-Geheimnisse nicht“, sagt sie. Dann lacht sie mit geröteten Augen. Sie weiß: Sie gehört zur Vorhut. Vielleicht zieht der Troß bald nach. Und dann ist Bollywood tatsächlich überall.

    Quelle: FAZ.net

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Der Artikel Dreharbeiten in Heppenheim für Bollywood-Streifen "Humraah – The Traitor" wurde zuletzt aktualisiert am 19. September 2006 von rinaldo

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