Portal Anmeldung!
Bollywood App!
ANZEIGE

0 B¦ollys (angemeldet?)
Bolly-LogB¦ollys  verdienen...
Bolly-Log

Dieses Thema enthält 4 Antworten, hat 5 Stimmen, und wurde zuletzt vor vor 10 Jahre, 11 Monaten von Redaktion Redaktion aktualisiert.

5 Beiträge anzeigen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #12542

    rinaldo
    Mitglied


    Hommage an eine starke Frau
    Die eigentliche Sensation hinter dem allerorten zelebrierten Indien-Boom ist im Augenblick eine Schau im Münchner Haus der Kunst. Gezeigt werden erstmals in Europa die Arbeiten der Malerin Amrita Sher-Gil, die gerne als die indische Frida Kahlo bezeichnet wird. Sie studierte in Paris im Schatten großer Namen wie Picasso und Modigliani, stellte in Sachen Freizügigkeit all ihre männlichen Kollegen in den Schatten, um Europa wenig später den Rücken zu kehren. Indiens Kultur wurde ihre große, wenn auch kurze Leidenschaft. Gegen ein indisches Fresko, so sagte sie, sei die ganze europäische Renaissance wertlos.

    Nicht nur die indische Literatur auch die indische Kunst erlebt zurzeit einen erstaunlichen Boom. Bei Christie’s liegen die Steigerungsraten für indische Malerei bei jährlich über 50 Prozent. Das Auktionshaus hält in diesem Jahr allein fünf Auktionen mit zeitgenössischer indischer Kunst ab.

    Der höchste Preis, der jemals für ein indisches Gemälde bezahlt wurde, wurde dieses Jahr im Frühjahr erzielt (allerdings nicht bei Christie’s): Das Bild heißt „Dorfszene“ und kam für EUR 1,26 Millionen unter den Hammer. Gemalt hat es Amrita Sher-Gil, vor fast 70 Jahren.

    Weitere Bilder von Amrita Sher-Gil sind bei Auktionen freilich nicht zu erwarten, ihre Werke sind nationales Kulturgut und im Besitz der National Gallery of Modern Art in New Dehli. Diese hat sich nun zum ersten Mal bereit erklärt, eine größere Zahl wichtiger Werke der in ihrer Heimat verehrten, hierzulande aber unbekannten Künstlerin außer Landes zu schicken, nach München ins Haus der Kunst. Dort wird nun eine große Schau mit dem Titel “ Amrita Sher-Gil. Eine indische Künstlerfamilie im 20. Jahrhundert“ gezeigt.

    Indische Frida Kahlo

    Sher-Gils Lieblingssujet waren Frauen. Frauen im Bad oder auf der Schaukel. Frauen als Obstverkäufer oder Kartoffelschälerinnen, auf dem Weg zum Markt oder als Braut bei der Toilette, textilfrei auf einem Stuhl oder als schlafender Akt auf einem Laken. Als Selbstporträt mit Staffelei oder barbusige Tahitianerin. Sher-Gils Frauen sind jung – jung, verführerisch und traurig. „Amrita war extrovertiert und sehr attraktiv“, weiß ihr Neffe Vivan Sundaram. Doch das war nur eine Seite ihrer Persönlichkeit. „Doch tief im Innersten gab es auch eine große Traurigkeit, Melancholie und Einsamkeit. Und die grundieren ihre Bilder.“

    „In Indien ist sie eine Legende – ähnlich wie Frida Kahlo oder Ghandi“, meint Chris Dercon. „Sie ist wichtig für indische Feministinnen, Lesben, Gegenwartskünstlerinnen, Filmemacherinnen und Schriftstellerinnen. Sie hat ein Beispiel geliefert für die Befreiung des Ich – für die Befreiung von der Kolonialherrschaft und die Emanzipation als Frau.“

    Intensives Leben
    Das Leben der Amrita Sher-Gil war kurz und heftig. 1913 als Tochter einer ungarischen Opernsängerin und eines Privatgelehrten aus besseren indischen Kreisen in Budapest geboren, verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre in Ungarn. 1921 übersiedelte die Familie nach Indien, acht Jahre später zog sie wieder zurück nach Europa – der Tochter zuliebe und ihres früh erkannten malerischen Talents.

    Mit 16 begann Sher-Gil an der Ecole National des Beaux-Artes in Paris Malerei zu studieren. Sie reüssierte schnell, gewann Preise und zog das Interesse sowohl der Männer- als auch der Frauenwelt auf sich. Ihre Bilder sind deutlich geprägt von Gauguin, aber auch die naive Malerei zeigt Einflüsse. 1934 entschied sich Sher-Gil zur Rückkehr nach Indien.

    Märchenhaft und entrückt
    In Indien fand Sher-Gil ihre eigene Bildsprache, eine Mischung aus französischem Fauvismus und indischen Einflüssen wie der buddhistischen Felsen- und der südindischen Freskenmalerei. Die Figuren wirken klar modelliert, die Kompositionen flächig, die Farben intensiv. Außer Frauen zeigen ihre Bilder Geschichtenerzähler und Musiker, Siesta- und Marktszenen, Elefanten und Kamele.

    Dunkle Hintergründe werden dabei oft kontrastiert durch leuchtendes Rot: rote Baumstämme, ein rotes Gewand, einen roten Krug oder roten Sattel. Ohne folkloristisch zu wirken, gewinnen Sher-Gils Bilder doch etwas Märchenhaftes und Entrücktes. Aber auch etwas Fragiles und Düsteres, was auch mit Sher-Gils Syphilis-Erkrankung in Verbindung gebracht wird. Als sie 1941 mit 28 Jahren starb, möglicherweise an den Folgen einer Abtreibung, war sie auf dem Weg zu einer berühmten Künstlerin – die erste moderne Malerin Indiens, die insgesamt rund 140 Bilder hinterließ. 50 davon werden nun in München gezeigt.

    Kunstgeschichte als Familienroman
    Die Bilder von Sher-Gil werden durch Fotografien ihres Vaters Umrao Singh Sher-Gil und Fotomontagen ihres Neffen Sundaram ergänzt: Kunstgeschichte als Familienroman. Da ist zunächst der Schöngeist Singh Sher-Gil, beschlagen nicht nur in Sanskrit und philosophisch-religiösen Fragen. Er war auch ein besessener Amateurfotograf – mit Hang zur Selbstbespiegelung. Die Aufnahmen von Amritas Vater waren weniger private Schnappschüsse als bewusste Inszenierungen, gerade dadurch erscheinen sie modern.

    Mix aus Kunst und Kitsch
    Den immensen Fundus historischer Familienfotos wiederum benutzt Sundaram, Maler, Konzeptkünstler und oberster Familienarchivar, als Material für eigene Werke: digitale Fotomontagen.

    Er kombiniert dabei das Konterfei des Vaters mit dem der Tochter, verbindet Porträts mit Atelierszenen, die Welt der Bilder mit dem Glamour der Bürger. Und inszeniert einen seltsamen Mix aus Kunst und Kitsch, Ästhetizismus und Rollenspiel, lasziver Selbstdarstellung und üppigem Dekor.

    Die Ausstellung zeigt nicht nur Leben und Werk einer hierzulande erst noch zu entdeckenden Künstlerin im Kontext ihrer Familie. Sie zeigt auch, wie Bilder immer wieder neue Bilder generieren – schöne, sinnliche, inszenierte und plakative. Sie präsentiert eine indisch-europäische Erfolgsgeschichte, einen west-östlichen Diwan der besonderen Art: Amrita Sher-Gil, die Frau, die die Frauen malte, sie liebte und von ihnen verehrt wird – heute mehr denn je, zumindest in Indien.

    Quelle: http://www.orf.at

    #12684

    Lovableelli
    Mitglied

    Finde deinen Artikel echt interessant und sehr informativ. finds bloß schade, dass sich hier kaum einer für die artikel im forum „Land und Kultur“ interessiert und zurück postet!

    #13578

    Basanti
    Mitglied

    kann ich nur beipflichten, echt beeindruckend
    lg

    #14095

    meenu
    Mitglied

    muss ich den anderen auch zustimmen

    lg

    #14194
    Redaktion
    Redaktion
    Super-Administrator

    Indien ist ein interessantes und vielseitiges Land mit vielen verschiedenen und interessanten Menschen. Ich glaube in Deutschland wird nach und nach Indien immer mehr in den Alltag einkehren. Ich wünsch mir mehr Inder in Deutschland aber wer will hier schon hin :rolleyes: :tongue:

5 Beiträge anzeigen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)

Du musst angemeldet sein, um zu diesem Thema eine Antwort verfassen zu können.

Der Artikel Boom mit indischer Kunst wurde zuletzt aktualisiert am 9. Oktober 2006 von rinaldo

Kommentare sind hier leider gesperrt!